Freitag, 28. Dezember 2012

Sri Lanka Rundreise

Reisebericht Teil 3

So schön haben wir das alles in Wien organisiert, Internet sei dank. Doch jetzt steht ein ganz anderer Fahrer vor uns, lacht uns freundlich an und weiß nicht, wie er unsere drei großen Koffer in sein kleines Auto bringen soll. Ein zweites Auto für unser Gepäck muss also her und mit etwas Verspätung begeben sich drei Personen mit zwei Autos auf Rundreise. Aber je mehr wir mit unserem Guide sprechen, desto größer wird die Überzeugung, er versteht uns kaum und wir ihn gar nicht. Das macht die Kommunikation zwischen uns nicht gerade einfacher.

Unverhofft kommt oft


Dafür klappt eine andere Begegnung ohne überhaupt geplant gewesen zu sein: Man muss also ein paar tausend Kilometer fliegen und einen halben Tag quer durch die Dörfer Sri Lankas fahren, um mitten am Nachmittag Freunde aus Rodaun bei einem Lunch in einem entlegenen Restaurant mitten im Landesinneren zu treffen. Hätten wir es verabredet, es hätte bestimmt nicht geklappt.

Die Tränen der „Wolkenmädchen“


Die „Wolkenmädchen“ von Sigiriya rufen und „weinen“. Dicke Tropfen fallen vom Himmel, doch zum Glück, stehen wir zu diesem Zeitpunkt etwas geschützt in einer Felsnische. Vor uns sind die alten Fresken barbusiger Frauen, die „Wolkenmädchen“. 

In leuchtenden Farben haben diese Bilder über Jahrhunderte ihre Betrachter beflügelt, davon zeugen zumindest die antiken Graffiti an den alten Mauern gleich daneben. Flügeln auf dem Weg hinauf, auf den 300 Meter hohen Monoliten, könnte man durchaus gebrauchen, denn es ist warm, feucht und der Weg steil. Oben angekommen entdeckt Julia ihre Liebe zu Affen und beschließt den restlichen Speicherplatz der SD-Karte im Fotoapparat mit Affenfotos zu füllen. Übrigens haben wir herausgefunden dass die Wolkenmädchen im Zuge einer Restaurierung ein „Brustlifting“ erfahren haben.

Wir träumen von frischer Bettwäsche


Unser Hotel für heute Nacht liegt mitten im Wald. Wir versuchen es mit den Worten „idyllisch“, „rustikal“ und auch „urtümlich“ schön zu reden. Als wir jedoch das Bettzeug näher betrachten und beschnuppern, helfen Worte nicht mehr. Wurde diese Kopfkissenbezüge schon jemals gewechselt? Fleckig, gelb, pökelig, muffig und voller Haare beschreibt den Zustand unserer Bettwäsche ganz gut. Auch sonst ist alles recht feucht. Draußen regnet es und drinnen muffelt es furchtbar. Wüssten wir nicht, dass jetzt nicht Regenzeit ist, wir würden doch glatt glauben, dass wir mitten im Monsun angekommen sind. Irgendwie will man sich in diesen Betten gar nicht viel bewegen, liegt starr am Rücken und hofft, dass die Nacht ein schnelles Ende nimmt. Zuerst jedoch verhindert die Band im Nachbarhotel ein schnelles Einschlafen und dann übernehmen die wilden Elefanten im uns umgebenden Dschungel das Posaunen. Erst am nächsten Tag begreifen wir, dank großer Haufen, wie nahe die Elefanten waren und wie sehr sich die Einheimischen eigentlich vor den Elefanten fürchten.

Ochsenkarentour


„Ochsenkarentour“ beschreibt das Folgende eigentlich weit unter seinem Wert. 9000 Rupien (60 Euro) geben wir dafür aus und das ist nicht nur in Sri Lanka eine stolze Summe. Doch was uns nun geboten wird, ist wirklich großartig. Zuerst werden wir auf einem Ochsenkaren verfrachtet unser Kutscher zückt Peitsche, Flöte und ein Mobiltelefon. Nach einer kurzen gemütlichen Fahrt hat er auch schon unsere Übergabe organisiert. Wir fahren mit einem Tuc-tuc durch den Busch, queren eine Fluss und kippen beinahe dreimal um.
Ein „ride“ in „Seaworld“ könnte nicht abenteuerlicher sein. Mit dem Telefon am Ohr organisiert unser Tuc-tuc-Fahrer nebenbei auch schon die nächste Übergabe. An einem See steht schon ein Boot bereit, ein paar Meter müssen wir allerdings zu Fuß gehen und versinken bis zu den Knien im Schlamm. Julia verliert ihre Flip-Flop im Morast und muss ihre Schuhe händisch wieder ausbuddeln. Dann besteigen wir ein Boot und überqueren paddelnd einen See. Nebenbei bekommen wir Hüte aus Seerosenblättern und Halsketten aus Wasserlilien und Lotusblüten. Dann sind wir zu Gast in einem der Häuser, die hier sehr idyllisch am See stehen. Eine Frau schält Reis durch stampfen, schlachtet eine Kokosnuss und bäckt Brot. Alles das ist auch für uns zum Ausprobieren. Dass wir das, dann auch essen sollen, was wir hier fabrizieren, hat vorher keiner gesagt. Aber mit einer großen Portion Chili hoffen wir jeglichen Schmutz wegzubrennen. Wir fanden es supercool, was sich die Menschen hier einfallen haben lassen und wie hier ein ganzes Dorf, in dem die BewohnerInnen ohne Leitungswasser, Kanalisation und Strom hausen, eine „Mutimedia-Schow“für uns abspulte. Ein Höhepunkt am Ende der Führung ist die Elefantenabwehr-Maschine: Seile, Tonnen, Schlägel. In der Nacht halten die Menschen hier Wache um die Elefanten mit Lärm abzuwehren, wird uns erzählt und überall sieht man die Fußspuren der großen Dickhäuter, deren Vernichtungsfeldzug alle fürchten.

Kandy


Der Weg nach Kandy zieht sich ein wenig. Zwischenstopp bei einem Ayurveda Garten. Einer der Ayurveda Ärzte nimmt sich Zeit für uns und zeigt uns die verschiedensten Pflanzen und Heilkräuter. Immer wieder regnet es und die Einheimischen verstehen zur Zeit ihr Wetter nicht. So feucht war die Trockenzeit hier noch nie!

Drei Stunden haben wir nach Kandy gebraucht und genauso lang noch einmal um quer mit den Auto durch die kleine Stadt zu fahren. Eigentlich wollten wir die Tempeltanz-Zeremonie ansehen. Um zwei Stunden haben wird diese verpasst. Buddhistische Gelassenheit war uns daher nicht mehr ins Gesicht geschrieben und es blieb nur noch wenig Zeit um Buddhas Zahn-Reliquie im „Zahn-Tempel“ zu besuchen.

Nachdem wir mit gewisser Beunruhigung unsere Schuhe in einem großen Regal (neben hunderten Flip-Flop) abgestellt hatten, um den Tempelbezirk ehrfürchtig und barfuß zu betreten, war Petra einigermaßen überrascht auf etwas Feuchtes zu treten – die vermeintliche Opferblüte entpuppte sich als Affenkaksi - Petras Freude war groß, da sie die Störung sicherheitshalber mit der Hand entfernte. Jetzt wäre noch mehr buddhistische Gelassenheit von Nöten gewesen.

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Dienstag, 25. Dezember 2012

Fröhliche Weihnacht überall - Reisebericht Sri Lanka


(Reisebericht Sri Lanka Teil 2)

Es gibt ja so eine Regel in armen Ländern: „wer dich anspricht, will nicht nur helfen, sondern auch verdienen.“ Daher Vorsicht vor allen, die dich in der Fremde ansprechen, scheinbar den ganzen Tag nichts zu tun haben und zufällig dort stehen, wo Touristen angespült werden. Auch wir werden wieder einmal angesprochen, verneinen natürlich reflexartig und wiederholen mehrfach freundlich aber bestimmt unser „No, thank you“. Aber es bleibt ohne Wirkung bei unserem Gegenüber, einem 32 jährigen Mann aus Negombo. Angeblich ist er nach zehn Jahren erstmals wieder auf Weihnachtsurlaub aus Italien zurück in der Heimat. Warum er dann ausgerechnet den restlichen Abend mit uns verbringen will, wird uns nicht klar. Spätestens nach einer Stunde habe ich das Gefühl, dass wir uns nichts mehr zu erzählt hätten. Doch der junge Mann entwickelt immer mehr Interesse an uns. Er will uns unbedingt wiedersehen, in eine weitere Bar gehen, den Heiligen Abend mit uns verbringen, … wie kommen wir da wieder raus? Wie unsensibel muss dieser Kerl sein, dass er nicht begreift, dass wir eigentlich nichts weiter mit ihm unternehmen wollen? Oder ist das gar eine Falle? Versucht uns da jemand auf ganz gefinkelte Art und Weise zu linken? Wir überlegen hin und her, kommen aber zu keinem Ergebnis. Ein bisschen wird unsere Verschwörungstheorie genährt, als er nicht bereit ist uns seine Facebook Adresse zu geben. Doch dann ist er am nächsten Tag schon wieder da, stöbert uns am Strand nach. Julia hat dann die klaren Wort gesprochen. „We don't want to meet you anymore“. Nach einer Stunde hat er es dann endlich auch verstanden. Haben wir da einen neuen Freund wirklich aufs Schändlichste beleidigt, oder gerade verhindert, dass wir einem Trickbetrüger schlimm auf den Leim gehen?

Tischlein deck dich


Bei uns im Hotel stellen sie nun schon zum dritten Mal die Tische um: Aufdecken, Abdecken, Servietten hin, Tischtuch weg, anderes Tischtuch wieder hin usw., auch so kann man fünf Kellner bis zum Heiligen Abend beschäftigen. Es soll eine große Christmas Party geben erzählt der Oberkellner, der den Hauptkellner beaufsichtigt, der wiederum an den diensthabenden leitenden Kellner seine Befehle weitergibt. Wirklich ins Schwitzen geraten nur die Lehrkellner. Dank ihnen sieht dann schließlich doch alles sehr einladend aus. Wir entscheiden uns aber dennoch für das „Lords“ und essen Austern statt Weihnachtskarpfen. Beim Essen erfahren wir dann auch mehr über die spannende Lebensgeschichte des Inhabers. Ein Engländer, der versucht seinen Lebenstraum in Sri Lanka zu leben.
  

Weihnachtsdonner


In Negombo leben viele Christen. Man nennt die Gegend hier auch wegen der vielen Kirchen das „Little Rome“. Um 23.00 Uhr machen wir uns auf die Suche nach einer Mitternachtsmette. Und wir lernen: Nie Suggestivfragen stellen! Die Antwort heißt hier sonst immer „Ja“. Unser Tuck-tuck Fahrer hat natürlich nicht gewusst wo das „Maris Stella Kolleg“ ist und wir stehen ganz wo anders. Also Weiterfahrt und Suche nach dem Kolleg, denn wir wollen die Mette in englischer Sprache verfolgen. Die Jugendlichen des „Maris Stella Kolleg“ singen bemüht. Die Kirche füllt sich rasch und viele müssen sogar auf Stühlen neben und vor der Kirche Platz nehmen, obwohl man ob des Gesangs zeitweise eher an Flucht denken möchte. Englisch klingt hier für unsere Ohren gleich wie Indisch,Tamil oder Singhalesisch.Was jedenfalls bei mir ankommt: Die Weihnachtsbotschaft muss eine furchtbare Drohbotschaft sein, denn der Priester donnert mit erhobener und verzerrter Stimme ins Mikrophone und alle lauschen ganz eingeschüchtert. Noch mehr Angst haben aber die zwei Frauen in der Bank vor uns. Ein streunenden Hund, der auf Herbergssuche in die Kirche gekommen ist, stört die heilige Ordnung. Zuerst Aufraunen vor uns, dann hektisches Aufspringen und schließlich verlassen die zwei Frauen vor uns fluchtartig die Bank. Ein kleiner Hund mit großer Wirkung, vielleicht waren es aber eher die Flöhe, die lustig über dem Hund tanzend diesen großen Schrecken verbreiteten. Uns juckt auch schon alles!
Wie schnell man sein kann, wenn man den Weg kennt, beweist ein anderer Tuck-Tuck Fahrer bei der Rückfahrt. Keine zehn Minuten später sind wir kurz vor zwei Uhr morgens zurück im Hotel. Woran wir nicht gedacht haben, wir haben keinen Schlüssel und die Einfahrt zum Hotel ist bereits versperrt. Rund um uns krachen Feuerwerkskörper, aber in einer kleinen „Gefechtspause“ vernimmt dann doch einer der Nachtwächter im Hotel unser Klopfen und der Weg zu unserem Zimmer ist frei. Mit dem Schießen werden die Menschen hier offensichtlich nicht müde. Bis in den frühen Morgen knallen unentwegt die Weihnachtsdonner.

Samstag, 22. Dezember 2012

Sri Lanka mit allen Sinnen - Reisebericht

Reisebericht Sri Lanka Teil 1:

Das Erste was wir (Julia, Petra und ich) von Sri Lanka sehen, riechen wir eigentlich. Am Strand von Negombo liegen tausende tote Fische. Sorgfältig wurden sie ausgenommen und zum trocknen ausgelegt. Das Ergebnis ist Dörrfisch. Neugierig gehen wir näher und werden sofort von einem Fischer angesprochen. Auf deutsch! Seine Begeisterung für unser Interesse scheint mir dann doch etwas zu professionell und wenn er auch versucht mit einer persönlichen Geschichte unser Vertrauen und unsere Freundschaft zu gewinnen, schnell wird klar, er lebt weniger vom Fischen als viel mehr davon, den Touristen das Handwerk der Trockenfischzubereitung näher zu bringen. Doch die 300 Rupien, umgerechnet etwa zwei Euro, die er später von uns einfordert, war der Rundgang allemal wert.

Alter Fisch in der Sonne


Prinzipiell wird hier alter Fisch verarbeitet. Das heißt, was vom nahen Fischmarkt nicht verkauft werden kann und bei Temperaturen um die 28 Grad schnell zu riechen beginnt, wird hier aufgeschnitten, ausgenommen und kräftig eingesalzen. Mit kräftig darf man sich durchaus mehr Salz als Fisch vorstellen. Dann kommt alles für einen Tag in eine Plastiktonne. Während dessen werden über den breiten Sandstrand dicke Jutenetze aufgelegt, auf denen dann die eingesalzenen Fische in die Sonne gelegt und nach zwei Tagen gewendet werden. In Summe nicht gerade ein gustiöses Werbeszenario für Trockenfisch. In Sri Lanka isst auch niemand Trockenfisch, der ist rein für den Export bestimmt, erzählt uns unser stolzer Guide.

Unglaublich welche Mengen die Fischer von Negombo hier jeden Tag aus dem Meer bringen. 4000 Boote sind im Einsatz, vom selbstgebauten Seegelboot über Ruderboot bis hin zu kräftigen Motorbooten und Schiffskuttern. Vom großen Rochen über Tunfische, Schwertfische und Papageifische ist alles in den Netzen dabei. Der Mensch ist gefräßig und die Möwen die das Szenario kreischend umkreisen auch!


Fröhliche Weihnacht überall


Streifzug durch die City von Negombo. Hier scheinen alle Weihnachten bei 28 Grad entgegen zu fiebern. Jedes zweite Geschäft hat Krippenfiguren im Angebot, dazu passende Holzgestelle, die mit etwas Fantasie einen Stall von Bethlehem darstellen könnten. Und dann gibt es noch weiße, grüne oder silberne Gebilde, die als Christbäume verkauft werden. Es weihnachtet sehr hier in der Stadt. Ein kleiner Park wurde sogar zum Christmas „Wonderland“ umgestaltet. Santa Claus mit Rentieren, Engel, Hirten und viel Watte als Schneeersatz. Und dann gibt es noch die Kinder, die ein wenig Halloween, Sternsingen, Ratschen-gehen und Silvesterknallen vermengen. Mit Nikolausmaske vor dem Gesicht in roten Gewändern und Stäben mit Luftballons, gehen sie trommelnd durch die Straßen. Übertönt werden sie von Lautsprechern einer Auto-Prozession. Mehrere LKWs und andere Fahrzeuge wurden mit Lampenketten verbunden und rollen nun durch den Ort, auf den Britschen Kinder und Klosterschwestern, die Weihnachtslieder singen.

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Sonntag, 31. Juli 2011

Affentanz nach Insektenbiss 4/4 - Reisebericht Dominikanische Republik


Reisebericht aus der Dominikanischen Republik Teil 4/4


Ich erfahre, dass es im „Parque Nacional Del Este“ noch eine zweite große Höhle gibt. Angeblich etwa zwei Kilometer von der ersten Höhle entfernt. In Erinnerung an die Mückenstiche trage ich diesmal NoBite auf. Offensichtlich ein Geruch der zwar die Gelsen abhält, aber dafür die „Erdwespen“ aggressiv werden lässt. Kaum bin ich zwischen den Sträuchern - ich wollte einen Krebs fotografieren - stürzen sich fünf dieser bösen Insekten auf mich und beißen, bis ich aufschreie. Nach einem ersten Schock, einem Affentanz durch den Busch und betasten meiner Beulen entschließe ich mich, dennoch weiter zu laufen. Doch mein Weg wird immer unpassierbarer, bis ich Angst habe den Rückweg in der Dämmerung nicht mehr zu finden. Im Gras, dass mir bis zum Hals reicht, gebe ich auf. Zwei Tage lang erinnern mich die noch immer schmerzenden Insektenbisse an meine missglückte Expedition.

Mamajuana heilt, was immer dich quält“

Doch auf Hispaniola gibt es für alle Probleme ein Hilfsmittel.Mamajuana heilt, was immer dich quält“ so zumindest der Glaube der hier lebenden Menschen. Die Hotelbar hat jedenfalls genügend Flaschen dieses äußerst bekömmlichen Getränks auf Lager und so wird es zum täglichen Pflichttermin, zusammen mit anderen Hotelgästen, vor und auch mehrfach nach dem Essen Gläschen von diesem Wundermittel auf Wermutbasis einzunehmen.

Turbulenter „Flug“ über das Meer

Ein kurzes Aufheulen der Motoren und schon ragt der Bug zwei Meter aus dem Wasser. Jetzt weiß ich, warum diese Art von Schiffen Speedboot genannt wird. Mehr im Flug als im Fahren erreichen wir Saona, eine kleine Insel, die im Osten der Dominikanischen Republik vorgelagert ist. Wobei der Flug eher an eine Reise mit vielen Turbulenzen erinnert. Vor allem die großen Wellen bringen das Boot immer wieder zum Abheben, um danach mit voller Wucht auf dem Wasser hart aufzuschlagen. Der Bootsführer hat an den ängstlichen Gesichtern der Fahrgäste seine Freude. Außerdem steht er hinten, während vorne das Boot stetig zwei bis drei Meter auf und ab wogt. Zum Abschluss, kurz vor dem Anlegen an einem wunderschönen Strand, gibt es als Draufgabe noch scharfe Kurven so, dass wir seitwärts ein bisschen Wasser fassen. Was ist weißer? Der fein geschliffene Korallensand, oder die Gesichter der Reisenden? Ich glaube es war unentschieden.

Wieder beruhigt gehen wir schnorcheln. Es war uns schon vorher klar, dass man in der Karibik nicht die Fische des roten Meeres finden kann. Was hier den Fischen an Farbe fehlt, schillert das Wasser umso grüner und blauer. Zurück geht es dann mit einem großen Katamaran. Zwar dauert die Rückfahrt vier Mal so lange, ist aber um einiges entspannter. Lateinamerikanische Rhythmen und ausreichen Rum in der Abendsonne machen die Fahrt zu einem Erlebnis.

Was wir sonst noch so gemacht haben?

Schlafen, essen und Bachata tanzen.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Ruderpartie - 3/4 - Reisebericht Dominikanische Republik


Reisebericht Dominikanische Republik Teil 3/4

Nach einigen Verhandlungen sitzen wir in einem Boot und werden von Manuel den Yuma-Fluss hinauf gerudert. Eine tolle Landschaft zeigt sich uns, doch auch die Nachteile der Zivilisation. Der Fluss transportiert viel Müll von der Provinzhauptstadt Higüey bis ins Meer. An bestimmten Stellen sammelt sich all das Plastik, alte Schuhe, Gewand und bildet einen dichten Müllteppich. Die Einheimischen scheint das nicht zu stören, eher im Gegenteil: Plastik ist für sie das Zeichen, dass auch sie in der modernen Welt angekommen sind und so entsorgt auch unserer Fischer seine Plastikflaschen in die Natur. 

Zugemüllt

Unbedingt will er uns noch den „Stolz“ des Dorfes zeigen. Wir gehen an mehreren Gärten vorbei um zur „Playa Blanca“ zu gelangen. Ein Bilderbuchstrand, wäre hier nicht wie im Fluss so viel Müll, das vom weißen Sand nichts mehr zu sehen ist. Die Frage, ob wir hier baden möchten, verneinen wir dankend, dass wir den Müll nicht so hübsch finden, kann Manuel nicht wirklich verstehen. Der viele Abfall, achtlos in die Landschaft gekippt, trübt unser Bild von dem „romantischen“ Fischerdorf. Pluspunkte von unserer Seite gibt es dann erst wieder für das wunderbare Mittagessen. Wir verspeisen zwei große Langusten und es hätten ruhig auch drei sein können.
Nach einem Rundgang durch einige Straßen des Dorfes zeigt uns Manuel noch eine Höhle am Rand des Dorfes. Im Urlaub scheint die Zeit doppelt so schnell zu vergehen, das letzte Sammeltaxi für heute, gegen 17 Uhr, müssen wir unbedingt erreichen. Dank schnellen Schrittes und einer kurzen Sprintstrecke klappt das dann auch und wir fahren wieder Richtung Bayahibe.

Ein Wunder

Und jetzt geschieht für mich das „Tageswunder“. Mein Handy wurde in einem der Guaguas gefunden, in Bayahibe abgegeben und in einem Safe sicher verwahrt, morgen soll ich es gegen 9.00 Uhr gegen einen kleinen Finderlohn abholen, erzählt mir einer der Sammeltaxi-Fahrer. Und alle versichern mir, so etwas sei hier noch nie vorgekommen. Was hier nicht niet und nagelfest ist wird in der Regel mitgenommen und nicht mehr zurückgegeben.

Und hier noch eine kleine beinahe Verlustgeschichte. Petra hat ihren Schnorchel im Wasser verloren, leider an einer Stelle, wo die Wellen den feinen Sand derart stark aufwirbeln, sodass die Sicht zum Meeresboden nicht gegeben ist. Noch dazu hat der Schnorchel ein nicht gerades vorteilhaftes „transparentes“ Design. Doch die Insel verliert nichts! Am nächsten Tag lag der Schnorchel am Strand.

Dazu passt auch noch das dritte „Wunder“: Die Pool-Handtuchkarten vom Hotel, sonst immer ein Stress bei der Rückgabe am letzten Tag, weil mindestens eine fehlt, haben sich hier auf Hispaniola wundersam vermehrt. Aus drei wurden elf. Wie das gelungen ist bleibt uns ein Rätsel!

Fortsetzung bei Teil 4

Montag, 25. Juli 2011

Santo Domingo 2/4 - Reisebericht Dominikanische Republik


Reisebericht aus der Dominikanischen Republik Teil 2/4 
Langsam gewinnen wir Routine. Das ¡Hola! kommt uns schon wie von selbst über die Lippen. Und mutig strecken wir die Hand aus, um einen dieser kleinen weißen Busse, einen sogenannten „Guagua“ aufzuhalten. Zwölf Personen haben in so einem Bus Platz, mit weniger als achtzehn Personen fährt der Fahrer aber gar nicht erst ab. Hat man das System einmal durchschaut, ist es genial. Die Guaguas dienen als Verbindungen zwischen den kleinen Dörfern und sind Zubringer zu den Schnellbussen zwischen den Städten. Dreimal umsteigen und wir haben es vom Dominicus Beach über Bayahibe nach La Romana und von dort mit dem Schnellbus in die Hauptstadt Santo Domingo geschafft, immer begleitet von dröhnenden Bordradios, die abwechselnd Bachata oder Merengue Rhythmen meist in minderer Tonqualität von sich geben.

Musik immer und überall

Musik ist hier auf der Insel fester Bestandteil des Alltags. Supermärkte, Kaffees und Busterminals, sie alle haben große Lautsprecher auf die Straße gerichtet und beschallen alles im Umkreis von hundert Metern. Dazwischen gibt es aber auch noch andere Schallquellen. „Moderne“ Dominikaner haben ein Handy mit Radio oder Musikplayer-Funktion und beglücken mit voller Lautstärke ihre Umgebung. Jeder der hier etwas auf sich hält, singt laut mit, so auch die Fahrgäste im Bus neben mir. Perfekt ist es aber erst dann, wenn man auch noch richtig dazu wippt und ein paar flotte Tanzschritte aufs Trottoir legt. Früh übt sich wer ein echter Meister werden möchte. Auf der Straße sehen wir ein paar Buben die eifrig Tanzschritte und den richtigen Hüftschwung üben.

Touristenpfade und abseits davon

Wir schlendern durch die Calle El Conde in der Altstadt von Santa Domingo, besichtigen die Catedral Primade de America und mit Hilfe von „Dumont“ und „Baedecker“ ein Duzend alter historischer Gebäude. In einer Nebengasse finden wir ein tolles Restaurant und leisten uns den Luxus eines fürstlichen kreolischen Mittagsmahles. Den Nachmittag verbringen wir abseits der Touristenpfade und beobachten das hektische Treiben in den Einkaufsstraßen der Stadt, bis wir uns auf den Weg machen zum Parque Enriquillo. Hier haben fast alle Busse in die verschiedenen Teile des Landes ihre Abfahrtsterminals. Tausende Menschen wuseln durcheinander. Dazwischen Chauffeure, die um Fahrgäste zu werben, laut ihre Zielstadt rufen. Wir finden den für uns passenden Bus und Julia erregt Aufsehen bei den Straßenverkäufern. Bereits im Bus, bekommt sie durchs Fenster Geschenke überreicht: Zuckerstangen und einen Maiskolben.

Eine etwas unfreiwillige Rundreise

Eigentlich haben wir nur ein Hotel für vierzehn Tage gebucht, dennoch habe ich den Eindruck wir hätten eine kleine Rundreise gemacht. Schwachpunkt hier scheint der Kampf gegen die Feuchtigkeit zu sein. Unser erstes Hotelzimmer im Hotel Wyndham Dominicus war an „Muffelgeruch“ und Einfachheit nicht zu überbieten, ein Ersatzzimmer im Hotel nicht verfügbar. Also ging es einen Kilometer Luftlinie weiter in das Hotel Be Live Oasis. Optisch war hier das Zimmer gleich viel ansprechender doch auch hier haben Feuchtigkeit und Bakterien ganze Arbeit geleistet. Kissen und Decke wollte man nicht nahekommen und die Klimaanlage hat eher stinkende Luft als Kälte verströmt. Zum Glück fährt man wegen dem Strand und nicht wegen dem Zimmer in die Karibik. Und der Strand wir hier wirklich allen karibischen Klischeebildern gerecht! Das Zimmer haben wir also nochmals gewechselt, aber nicht ohne zuvor mehrere Räume des Hotels zu inspizieren. Nachdem wir uns dann Decken und Polster aus verschiedenen Zimmern zusammengesucht haben und uns für einen Raum ohne Fäulnisgestank entschieden haben sind wir dann auch in diesem Urlaub sesshaft geworden. Aber ohne Übertreibung, das war ein schönes Stück Arbeit!

Die Insel verliert nichts!

Boca de Yuma ist ein kleines Fischerdorf im Osten der Dominikanischen Republik und unser heutiges Ziel. Nachdem uns der Selbstbehalt bei der Versicherung für ein Mietauto mit 1200 € doch etwas übertrieben hoch scheint, entscheiden wir uns wieder für die Guagua-Colectivos. Hier kommt man wirklich mit den Einheimischen in Berührung, im wahrsten Wortsinn. Dumm nur, dass bei all der Enge und dem Gerüttel mein Handy aus der Hosentasche fällt. Gemerkt habe ich es erst, als der Mini-Bus schon längst außer Sichtweite war. Einheilige Meinung der Familie: „Verabschiede dich von dem Handy“ (Und das ist leichter gesagt als getan, denn ich hatte noch nie so ein tolles und auch teures Gerät!)

In Boca de Yuma eilen uns gleich mehrere Fischer entgegen und überbieten sich mit Angeboten für Bootsfahrten, Strandbesichtigungen, Mittagessen und Höhlentour. Scheinbar wird hier nun mehr nach Geld als nach Meerestieren gefischt.

Fortsetzung bei Teil 3

Freitag, 22. Juli 2011

LOST auf Hispaniola 1/4 - Reisebericht Dominikanische Republik




Reisebericht aus der Dominikanischen Republik Teil 1/4 

Endlich Urlaub und das heißt auch Zeit zum DVD schauen. Wir sind der TV-Serie „LOST“ verfallen und es ist so wie mit jeder Serie. Kaum hat man zwei oder drei Folgen auf DVD hintereinander gesehen, haben einen die „Cliffhanger“, die offenen Fragen am Ende von 45 Minuten Folgen-Länge fest im Griff. Wir wollen unbedingt wissen, wie es weiter geht.
Für alle die diese, in den letzten sechs Jahren gelaufene Serie nicht gesehen haben: Es geht bei „LOST“ um Überlebende eines Flugzeugabsturzes auf einer Insel.

Auch wir sind mittels Flugzeug, zwar kontrolliert und sanft aufgesetzt, aber ebenfalls auf einer Insel gelandet, auf Hispaniola, im dominikanischen Teil. In Österreich eher unter „Domrep“ bekannt und fest mit der Assoziation Sonnen-Grillstation für Hausmeister verbunden.

Es gibt aber auch andere Bilder. Zum Beispiel endlos lange, scheinbar unberührte, karibische, weiße Sandstrände. Auf so einem bin ich gerade joggend unterwegs und ein kleiner Pfad, mitten in die Natur hinein, erregt meine Aufmerksamkeit. Und jetzt kommt wieder „LOST“ ins Spiel. Gerade habe ich noch die spannend umgesetzten Bilder auf DVD gesehen, schon bin ich „live“ im Dschungel auf einer Insel. Wüsste ich nicht, dass „LOST“ auf Hawaii gedreht wurde, ich meinte ich stünde am Film-Set.

 

Die Gefahr kommt aus der Luft

Der Buschwald dampft, Vögel, Grillen und anderes Getier überbietet sich im Lärm machen. Auf dem Boden Tausende von Erdwespen, die ihren wild verschlungenen Flugbahnen folgen. Ich frage mich, ob Erdwespen stechen oder beißen können und ob nicht ein Zusammenstoß mit einer dieser Wespen unausweichlich sei? Doch die wirkliche Gefahr kam von viel kleineren Flugobjekten. Fast unsichtbare Mücken attackierten mich beinahe unbemerkt mit ihren Saugwerkzeugen und zwei Tage später war jeder ihrer Landepunkte auf meiner Haut eine kleine rote juckende Beule. (Dass es auf Hispaniola auch Malaria gibt, erfahre ich erst jetzt, mal sehen ob sich das Fieber noch einstellt.)

Ab und zu verzweigt sich mein Weg, meist in noch unscheinbarere, beinahe gänzlich verwachsene Pfade hinein in dieses feuchte Buschland, das links und rechts von mir drei, vier Meter emporragt.

Eine halbe Stunde laufe ich so durch den „Parque Nacional Del Este“, als ich mitten im „Niemandsland“ Stimmen zweier Männer höre. Die „Anderen“ aus „LOST“? Und plötzlich stehen sie vor mir, mit zwei riesigen Macheten und zwei Leinensäcken. Eine Schrecksekunde auf beiden Seiten. Ich frage mich, was diese Männer hier machen und die wundern sich wahrscheinlich über einen „Verrückten“, der hier bei über 30 Grad durch den feuchten Buschwald joggt.

Ein paar Meter, nach der für mich etwas bedrohlich wirkenden Begegnung fällt mir auf, dass es hier sehr intensiv nach Hanf riecht, vor allem immer wieder dort, wo die unscheinbaren Trampelpfade abzweigen. Ich bleibe also lieber auf dem Hauptweg, der diesen Namen eigentlich nicht so ganz verdient. Lange Zeit geht es zwar verschlungen, aber eben dahin und dann stehe ich vor ehemaligen Brandungsfelsen. Vor Tausenden Jahren war hier ein Ufer. Unter mir ist poröser Muschelkalk, das Regenwasser hat tiefe Löcher ins Erdinnere gefressen. Immer wieder sieht man Krater von eingestürzten Hohlräumen. Und dann sehe ich eine alte Brandungshöhle. Ein paar Meter taste ich mich ins Finstere vor, Fledermäuse flattern mir ins Gesicht, dann stehe ich in kompletter Dunkelheit. Ohne Licht ist hier kein weiteres Fortkommen. Das heißt Rückzug und ein erneuter Vorstoß am nächsten Tag, dann aber ausgerüstet mit Taschenlampe.

Eine verborgene Welt unter Tag

Petra und Julia sind durch meine Schilderungen neugierig geworden. Wir brechen am nächsten Tag zu dritt auf, um die Höhle zu erforschen und sind überwältigt. Ich habe eine kleine Brandungshöhle vermutet, was sich uns aber zeigt, ist ein ehemaliges riesiges unterirdisches Flussbett. Durch die Decke ragen dicke Wurzeln herein. Hin und wieder schimmert ein schwaches Licht durch ein Loch in der Decke. Wir wagen uns immer tiefer in die Höhle vor. Hunderte Fledermäuse umkreisen unsere Köpfe, schreien aufgeregt. Nach einer halben Stunde entdecken wir eine Abzweigung in einen zweiten riesigen Bereich der Höhle. 

Hier gibt es unzählige Tropfsteine und einen aus Stalaktiten und Stalagmiten geformten „Wasserfall“ und ganz weit hinten, meinen wir ein schwaches Licht zu vernehmen. Als wir dort angekommen sind, stehen wir in einem riesigen eingebrochenen Bereich. Steil gehen die Felswände etwa zwanzig Meter hinauf zum Tageslicht. Ohne Seil kann man diesen Ausgang nicht benützen. Wir merken aber, dass es draußen langsam dunkel wird und wir noch den langen Weg zurück durch den Buschwald bis zum Meer vor uns haben. Eineinhalb Stunden später sind wir am Strand angekommen, das letzte Tageslicht entschwindet, die dunkle Nacht und fast drei Kilometer Strandmarsch liegen noch vor uns. 
Fortsetzung bei Teil 2