Sonntag, 26. Januar 2020

Auf dünnem Eis

Von der Bühne aus schauen Karine (Katharina Hauer) und Didier (Hans Lagers) in den Zuschauerraum. Dort steht ein imaginärer Fernseher, auf dem gerade der Schlussroller von “Die Brücken am Fluß” einen gemütlichen Fernsehabend beendet. Im Publikum jedoch hatten viele den Eindruck, nicht auf eine Bühne, sondern in einen Spiegel zu schauen. Dem französischen Autor Eric Assous gelingt es in seinem Kammerspiel “Auf dünnem Eis” mit allzu vertrauten Dialogen zu fesseln. Immer wieder meint man, sich selbst zu erkennen und beinahe möchte man so manche Passagen mitsprechen. Der Text scheint bekannt.

Auf der Bühne tut sich nicht viel, aber es geht um viel. Bist du glücklich? Das ist die simple Frage, die irgendwann kurz vor Mitternacht die Ehe von Karine und Didier ins Wanken bringt. Katharina Hauer und Hans Lagers schaffen es in den folgenden 90 Minuten von ihrem Fernsehsofa aus ihr Publikum in den Bann zu ziehen und auf eine Wanderung durch Höhen und Tiefen einer Beziehung mitzunehmen. Lacht man anfangs noch herzhaft, weil man sich selber in den Klischees immer wieder entdeckt, wird es rasch ernster und ernster.

Doch was ist dieses "Glück"? Didier hat darauf keine schnelle Antwort. Karine meint, das Glück eher wo anders, als im Vertrauten suchen zu müssen: im Neuen, im Unbekannten, vielleicht in einem neuen Mann? Je länger man über das Bekannte nachdenkt, um so mehr Dinge entdeckt man, die stören, die falsch laufen und alles andere als perfekt scheinen. Eine Erfahrung die viele Teilen.

“Auf dünnem Eis” zeigt, dass so manche und mancher mit Wunsch und Wirklichkeit nicht alleine ist. In der Produktion des ArteFaktum Kulturverein unter der Regie von Martin Ratzinger geht das Publikum intensiv mit. Es wird gelacht, gewispert, verständnisvoll genickt und geklatscht. Man spürt, wie es die Leute im Kellersaal des Cafe Prückls nicht kalt lässt, wie aus einem gemütlichen Fernsehabend eine existentiellen Krise wird. Und man ist live dabei, so wie im eigenen Leben. Das Dialogbuch scheint daher den meisten bereits hinlänglich bekannt zu sein, und dennoch ändert sich nach all dem Drama erstaunlich wenig. Vielleicht ist genau das, das Glück? Und glücklich sein heißt, trotz allem mit Vertrauten beim Vertrauten bleiben?

Für alle die es nicht scheuen, in den eigenen Spiegel zu schauen und den Mut aufbringen, die Frage nach dem Glück zu stellen, sei diese Produktion wärmstens empfohlen. Die nächsten Aufführungen gibt es im Stadttheater Bruck an der Leitha, am Samstag den 28. März um 19.30 Uhr und am Sonntag 20. März um 18.00 Uhr.

PS: Katharina Hauer wird auch bei frauJEDERmann im September 2020 in Rodaun zu sehen sein.

Montag, 6. Januar 2020

Dies Irae - Tag des Zorns

Selten hat man sich ein Ende so sehr herbeigesehnt, wie in der Burgtheaterproduktion “Dies Irae - Tag des Zorns”, denn das Ende kommt und kommt nicht. Ständig wird vom drohenden Untergang gesprochen, doch es dauert dann zwei lange Stunden, bis der Vorhang endlich fällt. Alexander Kerlin, Kay Vores und Paul Wallfisch haben eine Rockoper geschaffen, in der es um den Moment zwischen Sein und Nicht-Sein geht, um die Sekunde vor dem Aufprall. In der Theorie scheinen sich die drei Künstler das sehr gut ausgedacht zu haben. Als Zutaten für ihren Opus haben sie spannende Zitate und kurze Texte quer durch die Menschheitsgeschichte ausgewählt und alles mit eindringlicher Musik unterlegt.

Auch mit Symbolik haben sie nicht gespart. Die ganze Bühne dreht sich unaufhörlich, wie das Rad der Zeit. Schauspielerinnen und Schauspieler müssen sich in ihren Figuren durch den sich bewegenden Raum kämpfen. Und bei jeder Umrundung spült die Bühne neue Gestalten und Symbole ins Publikum. Ein sich geißelnder Mann, Soldaten, ein Gefangener mit Sack über dem Kopf, ein Ministrant mit Weihrauchfass. Es scheint, dass auf dieser Bühne alles Platz gefunden hat, was bei einem Rundgang durch den Fundus der Bundestheater nicht niet- und nagelfest war. Man möchte aber den Produzenten nicht Willkür unterstellen.

Sicherlich steckt viel Diskussion und Überlegung in der Wahl der Symbole und der Gliederung der Texte. Dem Zuschauer erschließt sich das im Moment des Vorbeischwappens aber nicht. Doch damit nicht genug. Die rotierende Bühne muss zusätzlich noch fast alles aufnehmen, was im modernen Theater seit fünfzehn Jahren hipp ist. Sänger, Musiker, Blut, nackte Haut, Videokameras und vor allem Leinwände. Auf drei Leinwände wird ununterbrochen live projiziert, was sich an verborgenen Winkeln der Bühne gerade ereignet. Ein Overkill an Eindrücken! Selbst an Second-Screens gewöhnte moderne Medienjunkies sind, ob der multimedialen Fülle, vermutlich schnell an ihren Grenzen.
Dabei würde das Thema doch gerade jetzt gut passen - Wirtschaftskrise, Glaubenskrise, Klimakrise, es geht spürbar bergab. Aber war das nicht immer schon so? Zeichen für den Weltuntergang, mit ihren dazugehörigen Propheten, gab es in allen Zeiten. Vielleicht braucht es das Angesicht des Endes, um im Jetzt gut zu leben?
Für sich alleine sind die einzelnen Teile von Dies Irae durchaus interessant inszeniert, bedacht und umgesetzt. In der Summe erschlägt das Werk aber nach kürzester Zeit. Und die Dramaturgie setzt noch eins drauf! Zum Beispiel scheinen die drei Videoscreens nicht zu reichen und es wird eine weitere Videoprojektion additiv über die ganze Bühne gelegt. Spätestens jetzt verliert man im Publikum die Orientierung und die elektronische Verstärkung der Stimmen macht es einem gar nicht leicht zu erkennen, wo denn die Figur steht, die gerade spricht und agiert. Die Lichtregie ist dabei auch keine Hilfe und fokussiert so gut wie nie. Schlecht zu lesen sind auch die gelben Schriften in den Videos. Die Asynchronität von Bild und Ton durch die Liveschnitt-Verzögerung ist ein weiterer Ablenkungsmoment. Überforderung. Überforderung. Überforderung!
Nach kurzer Zeit sieht man sich im Publikum selbst als die Figur, die in der anfänglichen Filmmontage durch den Raum auf ihr Ende stürzt: Orientierungslos, ausgeliefert und kurz vor dem ultimativen Sinnes-Crash. Hier lenkt alles voneinander ab. Und in dem Moment, wo man sich dem Rausch der Sinne versucht hinzugeben, sich nicht mehr um Verstehen, sondern Empfinden bemüht, kommt dann das erlösendes Ende. Die Gestalter haben zu viel gewollt, ins Volle gegriffen und damit leider nur wenig erreicht. Diesmal keine Empfehlung.

Freitag, 3. Januar 2020

Messias

Die Menschen nennen ihn al-Masih (Messias) und Schauspieler Mehdi Dehbi muss als solcher hauptsächlich etwas abwesend in einer Mischung aus streng und gütig durch die Menschen durchblicken. Dabei kommt bei jedem etwas verdrängtes und versperrtes zum Vorschein. Al-Masih gibt auf Fragen kaum Antworten, zeigt keine Wege, sondern gibt die Fragen zurück und bietet Spiegelfläche. Eine Art von “Dialog”, der auch nerven kann. Wer mag schon gerne durchschaut werden?
Dennoch, in der Netflix-Serie Messiah findet al-Masih rasch Anhänger, egal wo er hinkommt. Wie Jesus, in der Vorstellung der Schlafzimmerbilder der Urgroßeltern, wandelt er mit langem Haaren und wohl gestutztem Bart, von Syrien über Israel bis nach Texas, um schließlich in Washington DC zu landen. Ihm dabei zuzusehen, zieht durchaus in den Bann. Aber lässt er sich dabei alleine durch Gottvertrauen leiten?
Serienschöpfer Michael Petroni ist es gut gelungen religiöse Verhaltensmuster, Messiasvorstellungen, Religionskritik und Wunderglaube in einer spannenden Handlung gut zu verweben. Das gelingt vor allem auch wegen Michelle Monaghan, die als CIA-Agentin Eva Geller alles daran setzt, die wahren Motive des al-Masih aufzudecken. Und dann gibt es noch Tomer Sisley, der als Aviram im Sold des israelischen Geheimdienstes die “Schmutzarbeit” erledigt. Aus all den Zutaten entsteht ein spannender Thriller, der je nach Blickwinkel göttliches Spiel oder ein perfider, von langer Hand geplanter Umsturz ist.
Wer ist also dieser al-Masih? Was ist, wenn er wirklich der Messias ist? Was glaubt er von sich selbst? Zweimal rückt die Kamera ein an die Wand gekritzeltes Zitat von Oprah Winfrey in den Fokus: “You are what you are by what you believe.” Mein Tipp: Anschauen!

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Hermannsschlacht: Freudlos, farblos und feig

Freudlos, emotionslos, farblos und feig. Zur Kompensation seines schwachen Ichs erfindet Herman (Markus Scheumann) ein Wir, in dessen vermeintlichen Dienst er sich stellt. Wir gegen die anderen! Wir gegen die Unterdrücker! Fortan wird er als eiskalter und mörderischer Stratege die Fäden ziehen, mit mechanischer Präzision. Martin Kušej wagt sich am Wiener Burgtheater an Heinrich von Kleist “Hermannsschlacht” heran und erntet mäßigen Applaus. Das Stück ist schwierig und vom Nationalsozialismus punziert und so versucht sich Kušej an einer radikalen Umdeutung.
"Die Hermannsschlacht" im Wiener Burgtheater
Aus dem von den Nazis glorifizieren Befreier Hermann macht er einen duckmäuserischen Feigling, der aus den hinteren Reihen im Kampf gegen die besetzenden Römer vor keinem Mittel der Manipulation zurückschreckt. Das Monstrum sieht man Hermann nicht an. Dennoch erstaunlich, wie wenig dieser Hermann braucht, um sein Umfeld zu dirigieren. Ein paar dreiste Lügen, ein paar überhöhte Versprechungen, “Fake News”. Wichtig ist vor allem das Angst Schüren unter den eigenen Leuten und wenn die Besatzer zu echten Gräueltaten nicht taugen, dann müssen die eigenen Kämpfer in Uniformen der Römer Dörfer Niederbrennen und Kinder erschlagen. Kušej findet unzählige Anknüpfungspunkte an aktuelle Geschehnisse und packt viel an Symbolik und Anspielung in das Stück.
Und dennoch kommt das ganze nicht in Schwung, auch wenn sich die eindrucksvolle Bühne (Martin Zehetgruber) immer wieder dreht und stets neue Blicke in den Teutoburger-Betonpoller-Wald eröffnet. In genialen düsteren Lichtstimmungen, unterlegt von einem tollen Soundteppich (Bert Wrede), wird die Sinnlosigkeit von Krieg und Gemetzel unterstrichen. Gute Zutaten, spannende Ideen eine interessante Umdeutungen und dennoch funktioniert das alles zusammen nicht besonders gut in Wien auf der Bühne. Kleists Hermannsschlacht ist ein Propagandastück. Es geht um Kriegsgejole und charismatische "Befreier", auch wenn sie sich später als die neuen Despoten entpuppen.
Kušej nimmt Hermann sein Heldenhaftes und seine Strahlkraft, zeichnet ihn wie einen beziehungsunfähigen Biedermann, der sich in seinem Körper nicht wohlfühlt. Seinem Hermann bereitet nichts Lust. Eine undankbare Aufgabe für einen Schauspieler. Auch fehlt die Fallhöhe. Das Stück beginnt im Dunkelgrau und endet im Schwarz. In keiner Minute ist man als Publikum in der Versuchung, auf diesem Hermann hereinzufallen, seine Propaganda zu glauben und so bleibt man drei Stunden später noch immer unbeteiligter Zuschauer.
Da hilft dann auch der Holzhammer nicht: Kušej läßt Hermann und seine Mannen als rechtsnationale Burschenschafter auftreten und dreht das Licht im Zuschauerraum an. Wir sind im Heute gelandet. Alle sollen jetzt hineingenommen sein in das Geschehen. Ertappt? Nein, das Publikum ist es nicht. Der eventuell geplante Skandal und die große Empörung bleiben aus.
Vielleicht hat hier einer zu sehr mit dem Kopf gearbeitet, konstruiert und dabei übersehen, dass Theater vor allem mit Emotionen spielt, so wie es die großen Manipulatoren auch machen?

Sonntag, 17. November 2019

Der Parasit

Erschreckend, dass sich wenig verändert. 1797 schrieb Louis-Benoît Picard sein Lustspiel “Médiocre et rampant”. Ein schmieriger, schleimiger Menschen schafft es da durch Lügen und Manipulation, Menschenverachtung und Ausnehmen anderer nach oben. Friedrich Schiller übersetzt, dichtet ein bisschen um und veröffentlicht den Stoff als “Der Parasit”. 2019 bringt das Theater am Weinberg in der Perchtoldsdorfer Burg das Spiel auf die Bühne und fast jede Zeile könnte aus den Innenpolitikspalten aktueller Zeitungen stammen.
Theater am Weinberg spielt 2019 "Der Parasit"
Es ist beeindruckend, in welcher hohen Professionalität das Ensemble rund um Gertrude Tartarotti agiert. Vor allem Alice Rabl brilliert als durchtriebener Selicour, dem nichts zu dreist ist, um an die Macht zu kommen. In Mimik und Gestik, im Winden und Buckeln, im Herausreden und “Hineinkriechen” zeichnet sie als Frau einen männlichen Bühnen-Charakter, den man aus dem realen Leben zu kennen glaubt.
Lustspiele haben ein happy end, so sind wir es gewohnt und dazu hat Gertrude Tartarotti einen genialen Einfall. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Und beim Nachdenken über das Stück erkennt man vielleicht die eine oder andere Eigenschaft der Figuren im “Parasit” auch an sich selbst? Also aufmachen ans Ändern, sonst bleibt alles erschreckend gleich!

Donnerstag, 7. November 2019

Funny Money

Drei Türen, eine Reihe von Verwechslungen und ein Koffer voller Geld. Ray Cooney hat 1994 eine Farce veröffentlicht, der man gut und gerne ein paar Jahrzehnte mehr an Alter zutrauen würde. Dazu passt der kleine Theaterraum des Theaters in der Pfarre Liesing. Er ist genauso wie das Stück, ein wenig verstaubt und in die Jahre gekommen.
Was das kleine Ensemble dort aber auf die Mini-Bühne zaubert, ist beachtlich. Nach ein paar Minuten kommt man aus dem Lachen nicht mehr heraus. Das Publikum taucht ein, in eine Welt voller surealer Wendungen und unmöglicher Verstrickungen. Komödie zu spielen ist schwer. Aufs Stichwort lustig sein, eine Herausforderung und dann noch das Publikum mitreißen, ist wirklich eine Kunst. Was Ester Simon, Georg und Andreas Simon, Jürgen Fuchs, Peter Puschmann, Silvia Mayr, Bernhard Pokorny und Roland Weber unter der Regie von Roman Mayr mit wenigen Mitteln auf die Bühne zaubern ist beachtlich. Danke für einen vergnüglichen Theaterabend in einer harten Arbeitswoche. Ich habe es sehr genossen und möchte jetzt gar nicht darüber nachdenken, was ich denn mit einem gefundenen Koffer voller Geld machen würde.

Freitag, 5. Juli 2019

Onkel Wanja

Ein Holzlager wie ein Käfig. Stehende Platten bilden undurchdringbare Wände, Latten formen ein Gitter, wie in einem Gefängnis. 2019 mutiert die Bühne vor der Burg Perchtoldsdorf zum Gut Serebrjakows in Anton Tschechows Theaterklassiker Onkel Wanja. Die einst mächtigen Wälder rings um das Gut sind jetzt zu Brettern verarbeitet. Der Schaffensdrang der Menschen hat hart eingegriffen in die Natur und den Lebensraum für Tiere und Menschen zerstört. Entstanden ist ein Käfig, aus dem es schwer zu entkommen ist. Ohne viel nachzudenken hat Onkel Wanja seine besten Jahre durchgearbeitet, um aufzubauen, Kredit abzuzahlen, um weiterzukommen. Aber wohin? Zum Nachdenken blieb keine Zeit.

Das ändert sich, als plötzlich Professor Alexander Wladimirowitsch und seine junge Frau am Gut auftauchen. Das Hamsterrad stoppt, die Erscheinung von Wladimirowitschs Frau wirft alle aus der Bahn. Die Figuren in Tschechows Theaterklassiker beginnen nachzudenken und zu begehren. Vieles am eigenen Leben scheint plötzlich sinnlos und vergeudet. Der Text wirkt wie heute geschrieben, ist aber 120 Jahre alt. Viel hat sich also nicht geändert. Regisseur Michael Sturminger bringt ihn in einer bearbeiteten Fassung auf die Bühne und steht vor einer großen Herausforderung. Denn wie zeige ich es, wenn sich Charaktere zu Tode langweilen, antriebslos Trübsal blasen und als Ausweg nicht den Schritt nach draußen, sondern nur zur Flasche sehen?
Tschechows Stück ist in der Inszenierung von Sturminger keine Komödie, auch keine, bei der einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Es gibt nichts zu lachen. Die Figuren sind auch alles andere als schillernd. Die Kostüme sind farblos und fad und das Bühnen-Holzlager-Gefängnis ist gut gedacht, wirkt aber die ganze Aufführung hindurch wie ein Fremdkörper.
Eine Freiluftaufführung hat es freilich schwer. Da sind alle drei Minuten Flugzeuge, scheppert das Personal vom Cateringzelt, dröhnt in der Ferne ein Kühlaggregat und der Blick über die Burg, bis nach Wien hinein, hilft nicht gerade bei der Fokussierung auf das Geschehen. Wenn dann auch der Ton ständig Probleme hat und der eine oder andere Schauspieler nicht mehr oder nur noch verzerrt zu hören ist, haben es die Darstellerinnen und Darsteller schwer die Spannung zu halten.
Erst nach der Pause, wenn es ringsum finster ist und die Flieger in Schwechat gelandet, rückt die Bühne mehr ins Zentrum. Dennoch packt der packende Text in dieser Inszenierung wenig. Die Figuren wirken aufgesetzt, die Charakter gespielt, die acht Menschen auf der Bühne werden nicht zum Ensemble. Das Stück bleibt ein Stück, wird nicht lebendig. Der Zuschauer bleibt Zuschauer und taucht nicht ein. Und dennoch: Aufgabe erfüllt. Man verlässt den Perchtoldsdorfer Burgplatz mit dem innigen Wunsch nicht am Gut Serebrjakows zu laden und sich rechtzeitig mit der Frage nach dem Sinn auseinanderzusetzen.