Freitag, 22. Juli 2011

LOST auf Hispaniola 1/4 - Reisebericht Dominikanische Republik




Reisebericht aus der Dominikanischen Republik Teil 1/4 

Endlich Urlaub und das heißt auch Zeit zum DVD schauen. Wir sind der TV-Serie „LOST“ verfallen und es ist so wie mit jeder Serie. Kaum hat man zwei oder drei Folgen auf DVD hintereinander gesehen, haben einen die „Cliffhanger“, die offenen Fragen am Ende von 45 Minuten Folgen-Länge fest im Griff. Wir wollen unbedingt wissen, wie es weiter geht.
Für alle die diese, in den letzten sechs Jahren gelaufene Serie nicht gesehen haben: Es geht bei „LOST“ um Überlebende eines Flugzeugabsturzes auf einer Insel.

Auch wir sind mittels Flugzeug, zwar kontrolliert und sanft aufgesetzt, aber ebenfalls auf einer Insel gelandet, auf Hispaniola, im dominikanischen Teil. In Österreich eher unter „Domrep“ bekannt und fest mit der Assoziation Sonnen-Grillstation für Hausmeister verbunden.

Es gibt aber auch andere Bilder. Zum Beispiel endlos lange, scheinbar unberührte, karibische, weiße Sandstrände. Auf so einem bin ich gerade joggend unterwegs und ein kleiner Pfad, mitten in die Natur hinein, erregt meine Aufmerksamkeit. Und jetzt kommt wieder „LOST“ ins Spiel. Gerade habe ich noch die spannend umgesetzten Bilder auf DVD gesehen, schon bin ich „live“ im Dschungel auf einer Insel. Wüsste ich nicht, dass „LOST“ auf Hawaii gedreht wurde, ich meinte ich stünde am Film-Set.

 

Die Gefahr kommt aus der Luft

Der Buschwald dampft, Vögel, Grillen und anderes Getier überbietet sich im Lärm machen. Auf dem Boden Tausende von Erdwespen, die ihren wild verschlungenen Flugbahnen folgen. Ich frage mich, ob Erdwespen stechen oder beißen können und ob nicht ein Zusammenstoß mit einer dieser Wespen unausweichlich sei? Doch die wirkliche Gefahr kam von viel kleineren Flugobjekten. Fast unsichtbare Mücken attackierten mich beinahe unbemerkt mit ihren Saugwerkzeugen und zwei Tage später war jeder ihrer Landepunkte auf meiner Haut eine kleine rote juckende Beule. (Dass es auf Hispaniola auch Malaria gibt, erfahre ich erst jetzt, mal sehen ob sich das Fieber noch einstellt.)

Ab und zu verzweigt sich mein Weg, meist in noch unscheinbarere, beinahe gänzlich verwachsene Pfade hinein in dieses feuchte Buschland, das links und rechts von mir drei, vier Meter emporragt.

Eine halbe Stunde laufe ich so durch den „Parque Nacional Del Este“, als ich mitten im „Niemandsland“ Stimmen zweier Männer höre. Die „Anderen“ aus „LOST“? Und plötzlich stehen sie vor mir, mit zwei riesigen Macheten und zwei Leinensäcken. Eine Schrecksekunde auf beiden Seiten. Ich frage mich, was diese Männer hier machen und die wundern sich wahrscheinlich über einen „Verrückten“, der hier bei über 30 Grad durch den feuchten Buschwald joggt.

Ein paar Meter, nach der für mich etwas bedrohlich wirkenden Begegnung fällt mir auf, dass es hier sehr intensiv nach Hanf riecht, vor allem immer wieder dort, wo die unscheinbaren Trampelpfade abzweigen. Ich bleibe also lieber auf dem Hauptweg, der diesen Namen eigentlich nicht so ganz verdient. Lange Zeit geht es zwar verschlungen, aber eben dahin und dann stehe ich vor ehemaligen Brandungsfelsen. Vor Tausenden Jahren war hier ein Ufer. Unter mir ist poröser Muschelkalk, das Regenwasser hat tiefe Löcher ins Erdinnere gefressen. Immer wieder sieht man Krater von eingestürzten Hohlräumen. Und dann sehe ich eine alte Brandungshöhle. Ein paar Meter taste ich mich ins Finstere vor, Fledermäuse flattern mir ins Gesicht, dann stehe ich in kompletter Dunkelheit. Ohne Licht ist hier kein weiteres Fortkommen. Das heißt Rückzug und ein erneuter Vorstoß am nächsten Tag, dann aber ausgerüstet mit Taschenlampe.

Eine verborgene Welt unter Tag

Petra und Julia sind durch meine Schilderungen neugierig geworden. Wir brechen am nächsten Tag zu dritt auf, um die Höhle zu erforschen und sind überwältigt. Ich habe eine kleine Brandungshöhle vermutet, was sich uns aber zeigt, ist ein ehemaliges riesiges unterirdisches Flussbett. Durch die Decke ragen dicke Wurzeln herein. Hin und wieder schimmert ein schwaches Licht durch ein Loch in der Decke. Wir wagen uns immer tiefer in die Höhle vor. Hunderte Fledermäuse umkreisen unsere Köpfe, schreien aufgeregt. Nach einer halben Stunde entdecken wir eine Abzweigung in einen zweiten riesigen Bereich der Höhle. 

Hier gibt es unzählige Tropfsteine und einen aus Stalaktiten und Stalagmiten geformten „Wasserfall“ und ganz weit hinten, meinen wir ein schwaches Licht zu vernehmen. Als wir dort angekommen sind, stehen wir in einem riesigen eingebrochenen Bereich. Steil gehen die Felswände etwa zwanzig Meter hinauf zum Tageslicht. Ohne Seil kann man diesen Ausgang nicht benützen. Wir merken aber, dass es draußen langsam dunkel wird und wir noch den langen Weg zurück durch den Buschwald bis zum Meer vor uns haben. Eineinhalb Stunden später sind wir am Strand angekommen, das letzte Tageslicht entschwindet, die dunkle Nacht und fast drei Kilometer Strandmarsch liegen noch vor uns. 
Fortsetzung bei Teil 2 

Montag, 23. Mai 2011

Vertraut und neu - Spurensuche jüdischen Lebens in Wien


Ich bin unterwegs für das ORF TV-Magazin "Orientierung" auf den Spuren jüdischen Lebens in Wien. Ein Rundgang durch die Leopoldstadt als Hintergrundrecherche. Dazu eingeladen hat der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Eigentlich ist mir hier alles vertraut. Acht Jahre bin ich täglich mit dem Fahrrad durch den zweiten Bezirk in die Vereinsgasse zur Schule gefahren. Dreißig Jahre später fällt mir hier eine neues Selbstbewusstsein der jüdischen Bevölkerung auf. Es ist selbstverständlicher geworden sich als Jude zu zeigen. Männer eilen in dunklen Mänteln und mit Hüten geschäftig durch die Gassen. Viele Kinder sind gekleidet wie kleine Erwachsene und die Burschen am Spielplatz tragen fast alle eine Kippa.

Enteignet,vertrieben, ermordet.

Die Gassen und Plätze des zweiten Bezirks sind mit viel Leid der jüdischen Bevölkerung verbunden. Durch die Jahrhunderte begegnete man hier den Juden hauptsächlich feindlich. Enteignet,vertrieben, ermordet. 1624 wurde hier im Bezirk ein Ghetto gegründet, die Juden zusammengepfercht. An Stelle einer Synagoge wurde von Kaiser Leopold I. 1670 die Kirche in der Großen Pfarrgasse gebaut. Die Juden mussten alle Wien verlassen. Erst das Toleranzpatent 1782 von Josep II. schaffte Gleichberechtigung. Die Zahl der Juden im zweiten Bezirk wuchs wieder auf ein Drittel der Gesamtbevölkerung an. 1858 Einweihung des großen Tempels in der Tempelgasse. Nach dem ersten Weltkrieg war etwa 60.000 Menschen, die Hälfte der Bevölkerung in der Leopoldstadt jüdisch. 1938 brach dann der Antisemitismus wieder voll hervor. Warum tun Menschen soetwas einander an? Warum bestehen diese Konfliktmuster über Jahrtausende?

Wir gehen vorbei am jüdischen Theater in die Tempelgasse. Die Judenhasser haben ganze Arbeit geleistet. Nur noch vier mächtige rekonstruierte Säulen erinnern an den in der Reichskristallnacht im November 1938 zerstörten Tempel. Heute hat hier ESRA in einem Neubau Heimat gefunden. Das psychosoziale Zentrum ESRA wurde 1994 als Beratungs- und Behandlungszentrum gegründet und bietet den Überlebenden der NS-Verfolgung und deren Nachkommen Hilfe an. Auch werden jüdische MigrantInnen und deren Familien, in ihrem Integrationsprozess unterstützt.

Interesse am Dialog

Hinter einer unscheinbaren Tür in der Kleine Mohrengasse besuchen wir das „Sarah-Fogiel-Institut für Jüdische Studien“. Ruth Winkler, die Chefin hier, erklärt die Aufgabe des Instituts. Es geht um die Förderung der hebräischen Sprache und den Aufbau einer wissenschaftlichen Bibliothek mit Schwerpunkt Kultur und Geschichte der sefardischen Gemeinde Wiens. Unsere Gespräche kreisen um den jüdisch-nichtjüdischen Dialog. Frau Winkler erzählt, dass es vor allem die christlichen Pfarren sind, die sich für den Dialog interessieren und anfragen. Mehrmals im Monat werden daher Führungen und Vorträge organisiert.

Die "Stolpersteine" im Straßenpflaster weisen auf vergangenes jüdische Leben hin. „Koscherland“ und der „Koschershop“ sind zwei der zahlreichen Lebensmittelgeschäfte hier im Bezirk, die durch ihre Auslagengestaltung gut sichtbar Zeugnis vom gegenwärtigen jüdischen Leben ablegen. Auf unserem Rundgang erfahren wir von der jüdischen Autorin Alexa Weiss, dass rund 800 Familien in Wien traditionell koscher kochen. Mit Interesse verfolgt man innerhalb der jüdischen Gemeinde, dass viele Jüdinnen und Juden, nach einer Zeit der Entfremdung und Distanz von der eigenen Religion, wieder beginnen die Rituale und Gesetze einzuhalten. Oft scheinen gerade die Kinder sogar mehr in der jüdischen Tradition verwurzelt als ihre Eltern.

Hässliche Betonblöcke

Viele Einrichtungen hier im Bezirk sind nach außen hin aber kaum erkennbar. Manchmal zeugen Sicherheitsmaßnahmen wie Wachhäuschen mit Polizisten oder hässliche Betonblöcke auf der Straße davon, dass sich hinter der Hausfassade eine der 12 Synagogen oder eine Mikwa, ein rituelles Badehaus verbirgt. Einige dieser Synagogen sind nicht nur Orte des Gebetes, sonder Plätze, an denen man den ganzen Tag verbringt, Orte des Studiums, des Austausches aber auch der Freizeitgestaltung. Der Grund für die Betonblöcke ist übrigens der, dass niemand mit sprengstoffbeladenen Autos in die Häuser fahren kann. Ich glaube, dass eine künstlerische Gestaltung dieser Ungetümer ihrer Funktionalität keinen Abbruch leisten würde.

Auf unserem Spaziergang durch den Bezirk besuchen wir die Synagoge der "Bewegung für progressives Judentum Or Chadasch". Weltweit sind die progressiven Juden die größte Bewegung. In Wien sind sie jedoch nur eine „Minderheit der Minderheit“. Laut Selbstdefinition steht Or Chadasch für ein aufgeklärtes, tolerantes, zeitgemäßes und dennoch in weiten Bereichen traditionelles Judentum. Frauen haben hier die gleichen Rechte und Pflichten wie Männer. 

Gefilte Fisch

Gefilte Fisch, Oliven und koscherer Wein. Der Streifzug durch die Leopoldgasse macht hungrig. Bewirtet werden wir in der Tandelmarktgasse. Hier befinden sich die Räumlichkeiten des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Mehr als 50 Jahre schon bemüht sich der Verein um das gegenseitige Verständnis und den Abbau von Antisemitismus.

Willy Weisz und Markus Himmelbauer vom Koordinierungsausschuss diskutieren über das neue Selbstverständnis vieler jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger hier in Wien. Die jüdische Autorin Alexa Weiss bringt es dann für sich auf den Punkt: „In der dritten Generation nach der Shoah wollen viele vermehrt nach vorne blicken, nicht mehr nur über das erlittene Leid definiert werden. Aus einer aufblühenden Gegenwart heraus wollen wir Jüdinnen und Juden unsere Zukunft gestalten.“

Donnerstag, 28. April 2011

Reisebericht Skopje

Joe Cocker, Mikle Jackson und Tina Turner. Sie alle sind heute zu Gast in meinem Hotelzimmer. Ich habe die Ehre mitten in Skopje zu residieren. Und im Zentrum ist eben etwas los. Gleich vis-à-vis meiner Vollglaszimmerfront ist eine coole Rockbar. Besonders cool ist vor allem die Lautstärke der Musik, mit der halb Skopje und eben auch mein Zimmer bis weit über Mitternacht beschallt wird.
 Auch unter mir geben sich die Kellern jede Mühe, kein Geräusch auszulassen. Im angesagtesten Restaurant der Stadt wird nach Sperrstunde noch fleißig geputzt. Dabei wird jeder Sessel und Tisch mindestens zweimal verschoben. Die Heizungsrohre dienen dabei als Klangboten. Ich juble und sitze dabei hellwach im Bett!

Der Baustil: Kommunistischer als kommunistisch 
Mein Blick gleitet durch die Glasfront auf ein Betonmonument, das kommunistischer zu kommunistischen Zeiten nicht gebaut werden hätte können. Derzeit ist es ein Betonklotz. Wenn es fertig ist, soll es ein Alexander der Große Brunnen mit Wasserfall werden. Jedenfalls beherrscht der Klotz den gesamten Platz und die schlechte Stimmung zwischen Griechenland und Mazedonien. Ach, immer diese alten Geschichten von den Eroberern und wie sie bis heute für Verstimmung sorgen! (Griechenland will, dass Mazedonien seinen Namen ändert, sonst kein EU-Beitritt) Vielleicht hätte sich doch die orthodoxe Kirche durchsetzen sollen und hier eine große Kathedrale bauen sollen. Nicht viel hat gefehlt und das wäre vor ein paar Wochen auch tatsächlich geschehen. Grund und Boden, hier im Zentrum, hat die Kirche nämlich bereits vom Staat geschenkt bekommen. Einige Barrikaden und Sitzstreiks später, ist man von diesem Plan wieder abgerückt. Die Muslime wollten nämlich gleich daneben eine Moschee errichten und die Katholiken bestanden auch darauf nicht leer auszugehen. Man hätte eine Brücke über all die Bauwerke errichten müssen, damit man den Platz noch hätte queren können. Wie gesagt, wegen all der Streiks von sakralbaufeindlichen Mazedoniern, wurde aus all den „himmlischen“ Bauwerken dann doch nichts, zumindest ist das der derzeitige Stand der Dinge.
Gebaut wird hier aber dennoch wie wild. Das Stichwort dazu heißt Skopje 2014. Bis dahin werden hier alles wichtigen Gebäude um 200 Millionen Euro renoviert, oder auch neue gebaut. Ein bisschen Griechenland, ein bisschen Triumpfbogen aus Frankreich. Mir scheint, hier baut man Minimundus im Großen.

Nach Schlaf ringend 
Natürlich wird auch in meinem Hotel gebaut. Der hässliche Plattenbau bekommt eine neue Fassade im Gründerzeit-Stil. Aber muss das schon um 7.00 Uhr in der Früh sein? Dem nach Schlaf ringenden Gast bleiben also zwischen Sesselrücken und Presslufthammer knapp vier Stunden zur Erholung. Innen ist mein Zimmer aber top-modern! Roter Boden, braunorange Vorhänge mit 60er Jahre Muster, Designervase und Internet.
Ohne Stadtplan gehe ich durch die Straßen, verlasse mich auf mein Orientierungsgefühl und liege komplett falsch. Straßen haben hier an den Kreuzungen keine rechten Winkel, sondern driften nach Belieben auseinander. Ich glaube also ständige wo anders zu sein, als ich bin. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn Skopje ist im Kern zu Fuß durchaus bezwingbar.
Eigentlich gibt es zwei Skopjes, erklärt mit ein Albaner: „Den Teil der Mazedonier, dort wird eben gerade alles renoviert. Und dann gibt es noch den Teil der Türken und Albaner.“ Dort ist angeblich noch alles alt und kaputt. Getrennt wird das alles von Fluss Vardar.

Grenzen und Trennendes 
Warum nur lieben die Menschen Grenzen und Trennendes so sehr? Von der Außenposition betrachtet scheint vieles so einfach und die Lösung oft so simpel. Die Betroffenen quälen sich aber über Jahre und schlittern in immer größere Konflikte. Einer dieser Konflikte ist das Verhältnis zwischen Journalisten und Glaubensgemeinschaften in Mazedonien. Jeder beschuldigt - und so ist es meist bei Konflikten - den Anderen. Und dann kommen auch schon die Aufzählungen, wann und wo das Gegenüber schlecht recherchiert, falsch berichtet, unkorrekt gearbeitet hat. Zwei Tage schule ich Religionsoberhäupter und Medienvertreter im Umgang miteinander. Vor dem Seminarraum warten 25 Kameras und doppelt so viele Mikrophone. Da muss ich jetzt durch. Zehn Minuten stehe ich Rede und Antwort und werde fünf Stunden später sogar in den Haupt-Nachrichten gespielt. Tags darauf kennen mich viele aus dem Fernsehen! Wow! Überall höre ich: „Ich habe dich gestern gesehen“. Was ich gesagt habe? Die Meisten haben keine Ahnung mehr! Ich liebe das Fernsehen!
Übrigens haben die Mazedoniere dieses Jahr, zum großen Missfallen der orthodoxen Kirche, das Eierpecken entdeckt. Das Fernsehen hat groß darüber berichtet und dabei ganz auf die Botschaft von Ostern vergessen.
Über die „Steinbrücke“ kommt man vom Hauptplatz in den alten Teil der Stadt. Ein großer Basar mit echtem Flair, muslimisch, türkisch geprägt. Würde es jetzt nicht regnen, es wäre hier sehr gemütlich.

Rocklänge der Frauen: Kürzer ging es nimmer! 
Was wirklich Eindruck hinterlässt, sind die unzähligen Figuren und Skulpturen, die überall in der Stadt aufgestellt sind. Eindruck hinterlassen auch die hohen Stöckelschuhe der Frauen und ihre noch höheren Rocksäume. Kürzer ginge es nimmer! Mazedonier, Frauen wie Männer, dürften kein Temperaturempfinden besitzen. Es hat „heiße“ 12 Grad Außentemperatur, die sich für mich jedoch wie fünf Grad anfühlen. Dennoch sitzen alle in den Gastgärten im Freien.
Ich beende meinen Rundgang durch die City an unzähligen Shoppingcenter vorbei. Die Musik in der Bar gegenüber vom Hotel ist nun doch etwas leiser. Schon bald um 4.20 Uhr kommt mein Taxi zum Flughafen. Die Bauarbeiter morgen Früh werden mich also sicher nicht aufwecken, denn dann bin ich schon wach und über den Wolken.

Donnerstag, 17. März 2011

In Äthiopien gehen die Uhren anders

In Äthiopien gehen die Uhren anders. Der Tag beginnt um 6 Uhr in der Früh mit der ersten Stunde. Und selbst wenn man dann pünktlich ist, ist man noch immer um 8 Jahre falsch. Äthiopien schreibt zur Zeit das Jahr 2003.

Scan

Wie immer zittere ich etwas bei der Einreise wegen meines Equipments. Meine TV-Kamera ist einfach zu groß, um als Touristenkamera akzeptiert zu werden. Vor dem bürokratischen Aufwand als Journalist einzureisen haben mich Kollegen gewarnt. Also stehe ich vor der Zollkontrolle als Tourist und zu allem Übel geht mein Rucksack aus unerklärlichen Gründen nicht mehr ganz zu. Kabeln und Kamera sind gut sichtbar. Daneben habe ich noch in der Fototasche einen doppelten Satz Mikrophone mit Sendern und Empfängern, Stativ, Akkus und eine zweite kleine Kamera. Ich beginne etwas zu schwitzen als ich sehe, dass bei der Einreise alles nochmals genau gescannt wird. Ich stehe in einer langen Schlange und warte auf dem „Moment der Wahrheit“. Plötzlich fischt mich eine Äthiopische Zöllnerin aus der Reihe. „Nothing to declare?“ Ich schüttle instinktiv den Kopf, werde an den Scannern vorbeigeschoben und bin plötzlich ohne Scan eingereist. Manchmal gibt es doch glückliche Fügungen.

Am Flughafen wartet Getachew Aberra, der für Äthiopien verantwortliche „Licht für die Welt“ Mitarbeiter. Licht für die Welt ist eine Österreichische Hilfsorganisation die sich dem Masterplan Vision 2020 verschrieben hat. Weltweit soll bis zum Jahr 2020 kein Mensch mehr an einer heilbaren Augenkrankheiten erblinden. Besonderen Focus legt Licht für die Welt dabei auf Äthiopien. Mit dem Taxi geht es nach Addis Abeba. Überall wird gebaut. Die Baugerüste machen die Handwerker zu Akrobaten. Auf langen Stangen und wenigen Querbalken balancieren sie viele Stockwerke über dem Boden die Fassaden entlang.

Eines der weltweit ärmsten Länder macht auf den ersten Blick in der Hauptstadt einen für mich erstaunlichen Eindruck: Betriebsamkeit wo man hinschaut. Kaum Schmutz auf den Straßen und überall entsteht Neues.

Kontakt mit Esel

Beim Einsteigen in den alten Landrover fühle ich mich nicht gerade wohl. Hinten, quer zur Fahrtrichtung, wirft es einen bei jeder Lenkbewegung von links nach rechts. Und dann kleben wir alle auch schon an der Rückseite des Fahrersitzes. Zum Glück für uns funktionieren die Bremsen dieses alten Gefährts nicht mehr einwandfrei, sonst wären wir durch die Windschutzscheibe geflogen. Pech jedoch für einen Esel der sich uns als Hindernis mitten auf die Straße gestellt hat.

Wir, das sind eine Gruppe von Journalisten aus Österreich und ein paar Mitarbeiter von „Licht für die Welt“. Unterwegs sind wir von Addis Abeba nach Nekemte. 330 Kilometer Autofahrt, in Österreich ein Vergnügen auf der Autobahn, hier ist das ein Tagesprojekt. Auf der Straße sind tausende Menschen unterwegs, jedoch nicht mit Autos, sondern zu Fuß. Dazwischen Kühe, Ziegen, Pferde und Eseln. Einer von den Eseln hat nun nach der Begegnung mit unserem Landrover ein paar blaue Flecken.

Schlamm

Solange die Straße asphaltiert ist, geht es dennoch rasch vorwärts. Für die ersten 150 Kilometer benötigen wir drei Stunden, vorbei an unzähligen Gewächshäusern, in denen Schnittblumen für Europa gezogen werden. Dann aber wird es mühsam. Chinesische Firmen haben hier viel Land gekauft und bauen die alte Straße zweispurig aus. Offensichtlich haben die Planer dieser Bauarbeiten nicht mit Regenwetter gerechnet, denn seit gestern verwandelt sich diese 150 Kilometer lange Baustelle in einen große Schlammfläche. Und es beginnt erneut heftig zu regnen. Unser Fahrer macht sich Sorgen. Das Auto schwimmt mehr auf der Straße als dass es fährt. Nach einigen Kilometern driften, rumpeln und vielen blauen Flecken, stoppen wir in einem kleinen Dorf vor einer temporären Augenambulanz.

Augenuntersuchung

Die Sonne geht schon fast unter und noch immer warten hunderte Menschen auf eine Untersuchung. Für viele wird der oft weite Fußweg hier her zur Augenambulanz wohl umsonst gewesen sein. In einem kleinen Zimmer operiert eine Ärztin gerade eine ältere Patientin, daneben werden andere Personen untersucht, Schreibarbeiten erledigt. Für europäische Maßstäbe sind die hygienischen Bedingungen hier unvorstellbar. Tapfer liegt die alte Frau auf dem „Operationstisch“ und befolgt genau die Anweisungen der Ärztin. Durch immer wiederkehrende Entzündungen sind bei ihr Vernarbungen der Bindehaut entstanden. Dadurch beginnt sich das Augenlied einzuklappen und die Wimpern scheuern auf der Hornhaut. In einem schmerzhaften und langwierigen Prozess werden die Menschen dabei langsam blind. Bei der Operation wird ein Teil des Augenlieds entfernt, sodass die Wimpern nicht mehr auf der Hornhaut schaben können. Medikamente helfen gegen die Infektion. Nach zwanzig Minuten ist die Operation beendet. Rasch ist das Auge verbunden und schon nimmt die nächste Patientin Platz auf der Liege. Zwischen all den wartenden Patienten entdecke ich Pastor Kes Asfaw Terfassa von der Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus. Er organisiert diese temporären Augenambulanzen hier, fährt nahezu täglich mit seinem Team in die Dörfer um Menschen zu untersuchen.

Er bittet uns einige Patienten nach Nekemte mitzunehmen. Grauestar-Operation zum Beispiel können nicht in den Ambulanzen durchgeführt werden. Dazu müssen die Patienten in die Augenklinik in Nekemte gebracht werden. Eigentlich hatte ich bereits das Gefühl, dass unser Landrover mit sechs Personen voll besetzt ist. Als wir selbst nach längerem Schlichten nicht alle weiteren Fahrgäste unterbringen können, wird ein zweites Auto organisiert. Dennoch, der Platz bleibt eng. Alle sind mehr oder weniger ineinander verkeilt, was zwar den Sauerstoffgehalt im Jeep herabsetzt aber auch die Anzahl der blauen Flecken reduziert.

Dirty Road

Weil ich mit Pastor Kes Asfaw Terfassa ein Interview machen möchte und er das zweite Auto fährt, sitze ich nun auf seinem Beifahrersitz. Ein tolles Privileg, denn die nächsten sechs Stunden werden wirklich mühsam. 150 Kilometer auf einer mehr als „dirty“ road! Der Regen wird immer stärker und tiefschwarze Nacht umgibt uns. Plötzlich mitten auf der Straße große Steine. Bei uns in Österreich ein Grund vor diesem Hindernis rechtzeitig zu warnen, sind sie hier selbst Zeichen der Warnung. Vor uns rutschen LKWs die Straße herunter. Der Schlamm wirkt wie spiegelglattes Eis. Einmal im rutschen, kann so ein Tonnen schweres Gebilde nicht mehr gestoppt werden. Kreuz und Quer sind die LKWs nun zum Stillstand gekommen. Eine Durchfahrt auf der „Straße“ aber nicht mehr möglich. Wir springen aus dem Auto in den knöcheltiefen Morast. Hier zu Übernachten scheint wenig attraktiv. Mit Schaufeln beginnen nun die LKW-Fahrer links den Hang zu bearbeiten und einen Graben zuzuschütten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir über diesen „Ersatz-Weg“ an den Hindernissen vorbeikommen können.

Eine Stunde später gibt Pastor Terfassa Vollgas. Wir schlittern, graben uns mit den Rädern etwas ein und driften dann doch heil an den LKWs vorbei. Unser mühsamer Weg lässt mich verstehen, warum die Menschen aus ihren Dörfern kaum zu den wenigen Kliniken in den Städten kommen können und der Pastor dieses Hilfsprojekt ins Leben gerufen hat. Er beginnt mir zu erzählen, dass Blindheit in Afrika nahezu ein Todesurteil ist. Die Menschen können nicht mehr arbeiten, finden sich nicht mehr zurecht, verarmen mit ihren Familien.
Ärztemangel

Für sein Projekt der sogenannten Outrech Center, den temporären Ambulanzen, benötigt er dringend einen neuen Augenarzt. Er kann nur wenig zahlen und die wenigen Augenärzte in Äthiopien unterliegen oft der Versuchung mit privaten Ordinationen wesentlich mehr Geld zu verdienen. Auch gehen viele nach dem Studium ins Ausland. Am liebsten würde der Pastor sich einen europäischen Arzt wünschen, der hier ein paar Monate freiwillige ordiniert. „Warum keinen Äthiopischen Arzt“, frage ich. Wir diskutieren über soziales Engagement und wie in der Gesellschaft ein Bewusstsein füreinander entstehen kann. Unterm Strich ist es für Terfassa die Versuchung wo anders wesentlich mehr Geld zu verdienen, die viele vor einem sozialen Engagement abbringt.

Zwei Stunden später sind wir endlich in Nekemte. Fast zehn Stunden durchschütteln liegen hinter uns. Im Hotel ist bereits alles finster. Nach längerem Hupen öffnet uns dann doch der Nachtwächter. Beim Aussteigen aus dem Auto bemerken wir, dass aus dem weißen Pickup ein komplett brauner geworden ist und zwar bis zum Dach, wo unser Koffer festgezurrt sind. Wir schleppen unsere Sachen ins Zimmer und denken voll Sorge an das Personal, das morgen unsere Schlammspuren wieder beseitigen muss.

Mehrere Zeiten

Kaputte Duschen, schiefe Fließen, schmutzige Böden und auch nicht gewechseltes Bettzeug fallen dem freundlichen und bemühten Hotelpersonal nicht auf. Hier in Äthiopien scheinen die Menschen aus unterschiedlichen Jahrhunderten dicht nebeneinander und miteinander zu leben. Moderne Stahlbetonbauten neben Lehmhütten, Allrad-Autos neben Eselskarren, Lehmboden neben Federkernmatratze. Während wir Europäer schwere Koffer und Taschen in unsere Zimmer schleppen, benötigen die Patienten die mit uns im Hotel übernachten nur ein kleines Sackerl für ihr Hab und Gut.

Nachdem Frühstück bemerke ich, dass einer der Patienten komplett blind ist. Seit 16 Jahren hat ihm der Graue-Star das Augenlicht geraubt. Er möchte nun endlich ein Familie gründen, eine Frau heiraten, erzählt er mir und hofft auf eine positiv verlaufende Operation. Ich halte ihn für einen alten Mann und bin erstaunt, denn im Gespräch erfahre ich, dass er erst Mitte 30 ist. Begleitet wird er von einem sechzehnjähriger Bursch aus dem selben Dorf. Seine Diagnose ist ebenfalls Katerak, Grauer Star, jedoch nur auf einem Auge. Mit dem anderen sieht er ganz gut. Seine beruflichen Träume sind zu studieren, um Augenarzt zu werden.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Gezuckerter Wein - Crazy Punschstand!

Linkes Bein kurz anheben, Schultern hochziehen, Nasentropfen abwischen, mit dem rechten Fuß etwas Schnee zusammenschieben, vor Kälte schütteln. Als Punschstandbesucher erwartet man sich keinen Komfort. Zuerst verbrennt man sich am klebrigen Häferl die Finger und dann geht es viel zu rasch bergab mit der Temperatur. Von den Füßen her beginnt der Körper gefühllos zu werden. Doch man weiß bereits jetzt, dafür wird man am nächsten Tag mit einer doppelten Portion „Gefühl“ im Kopf belohnt.


Von hinten schieben Massen Richtung Ausschank, von vorne balancieren glückliche Menschen pro Hand vier Häferl an einem vorbei. Ein bisschen etwas landet immer am Anorak. Dazwischen Shopping-Vergnügen. Wer braucht all die Kerzen, Steine, Holzfiguren, Glasperlen und Seifen? Je altfatrischer die Wahren in den Hütten, desto dredlockinger die Verkäufer.


Doch irgendwie scheinen hier alle verzaubert. Wer würde unter normalen Umständen gezuckerten Wein trinken und dafür auch noch bezahlen? Wer ginge selbst im Sommer bei kühlen Temperaturen zu einer Stehung ins Freie? Und wer wäscht sich die Hände mit Seife, aus der ganze Zimtstangen , Gewürznelken und Lavendelblüten ragen?


Doch Weihnachten verwandelt die Welt. Das kleines Zauberwort „Punschstand“ macht es möglich. Da standen also gestern Tausende Menschen am Spittelberg, dicht gedrängt und taten all das, was man gemeinhin als verrückt bezeichnen würde. Zum Glück ist nicht alles rational in unserer Gesellschaft.

Mittwoch, 17. November 2010

Und noch ein Grund, warum der ORF immer weniger Seher hat.

Angenommen die Familie Huber hat bis vor einige Zeit die ORF Programme über analoges Antennensignal empfangen. Dann wurde auf DVB-T umgestellt. Die Hubers mussten handeln, wollten sie weiter fern sehen. Der freundliche Mitarbeiter im Mediamarkt hat Herrn Huber eine Satelliten-Empfangsanlage empfohlen. Weit über 80 Programme sollten jetzt die Hubers empfangen können.
Die Hubers sind mit ihrem neuen SAT-Spiegel aufs Dach gestiegen, haben die SAT-Schüsseln der Nachbarn angeschaut und ihren Spiegel ähnlich montiert. Mit dem Handy am Ohr hat Herr Huber am Dach justiert. Dann hat seine Frau vor dem Fernseher glücklich gerufen: „Super jetzt passt das Bild, 83% Signalstärke, toller Empfang, alles palletti“ RTL, SAT1, ZDF, ARD, und weit über 80 Programme sind gut empfangbar, gute Bild- und Tonqualität. Leider sind ORF1 und ORF2 nicht dabei. Die Hubers verstehen das nicht, ist doch der SAT-Spiegel offensichtlich richtig und gut ausgerichtet, wie bei den Nachbarn.
Frau Huber ruft bei ORF-Digital an und erfährt, dass es drei Stunden dauern kann, bis die ORF-Digital Karte freigeschalten ist, erst dann kann der ORF empfangen werden. Außerdem muss für die Freischaltung noch eine Gebühr bezahlt werden, so wie für das Telefongespräch. Die Hubers denken, sie zahlen doch bereits ORF Gebühren, ein leichter Ärger kommt auf, man will sich aber die Freude über die neue SAT-Anlage nicht vermiesen lassen und wartet. Doch der Bildschirm bleibt bei den ORF Programmen schwarz. Auch nach fünf Stunden. Neuerlicher Anruf bei der Helpline von ORF-Digital. „Die Karte umdrehen, machen Karten müssen verkehrt in das Gerät geschoben werden“, sagt die freundliche Stimme. Auch das bringt keine Lösung.
Der TV-Abend wird ohne den gewohnten ORF verbracht. Die Hubers entdecken neue Sender, finden es toll, dass es so viel unbekanntes Angebot gibt. Nach ein paar Tagen, neuerlicher Anruf bei der Helpline. Noch immer kein ORF empfangbar. Jetzt erfahren die Hubers, dass ihre SAT-Anlage schlecht aufgestellt ist. Das können die Hubers aber nicht glauben, funktioniert doch alles bis auf den ORF einwandfrei. Und doch: Der freundliche Mitarbeiter von ORF-Digital erklärt, dass eben der ORF eine besonders exakte Einstellung der Schüssel benötigt, wegen des „schwachen“ Signals. Das ist zwar technisch nicht richtig erklärt, aber die Hubers verstehen das und wollen nachjustieren.  Herr Huber steigt nochmals aufs Dach. Doch jetzt beißt sich, bildlich gesprochen, der Hund in den Schwanz. Zum genaueren justieren müsste man jetzt ein ORF Bild empfangen können, das geht aber nur, wenn die Digital-Karte ihre Verbindung zum Satelliten aufgenommen hat. Dafür ist aber wiederum eine exakt eingerichtete SAT-Schüssel und viel Zeit zum Initialisieren Voraussetzung.
Wieder ein Abend ohne ORF. Nach einer Woche gewöhnen sich die Hubers an die anderen Programme. „Tatort“, Filme und auch die gewohnten Serien kann man ja auch bei den deutschen Sendern sehen.
Ein letzter Versuch. Frau Huber frägt beim Elektrogeschäft im Ort nach. Ja, man könne die Schüssel am Dach exakt einstellen. Kosten so um die 200 bis 300 Euro, denn so wie der Herr Huber das aufgestellt hat, „könne man es auf keinem Fall lassen. Da braucht es dann auch noch einen Spengler und … „ Frau Huber verlässt das Geschäft, ärgert sich über den ORF und die Familie verbringt zukünftige TV-Abende ohne das Fernsehprogramm des Österreichischen Rundfunks.

Dienstag, 16. November 2010

Buried - Lebend begraben

Zum Glück macht man sich über so manches keine Gedanken. Und dann erreicht es einen plötzlich doch. Zum Beispiel konfrontiert einen die PR-Maschinerie des Kinofilms "Buried - Lebend begraben" damit, sich auszumalen wie es wäre, fände man sich plötzlich in einem engen Sarg, einige Meter unter der Erde wieder. Bis jetzt bin ich gerne in Höhlen, Tunnel und Grotten gekrabbelt, die unerforschte "Unterwelt" hatte eine große Anziehungskraft auf mich. Doch seit gestern, werde ich dieses beklemmende Gefühl der Ausweglosigkeit fast nicht los. Nicht einmal umdrehen kann man sich in so einem Sarg. Es hat schon einen Grund, warum so eine Kiste für Tote und nicht für Lebende geschaffen wurde. "Wenn man es will, dann schafft man es auch". Diesem Credo setzen ein paar Tonnen Erdreich über einem und ein paar Holzbretter links und rechts, eine unüberwindbare Barriere entgegen. Sich der Ausweglosigkeit stellen, das letzt Scheitern im Blick haben, nichts mehr tun können. Wahrlich kein gutes Gefühl. Und dennoch ist es das, was uns letztlich alle erwartet, die totale Ohnmacht. Nicht alles kann man, wenn man es nur will, überwinden. Oder doch?