Donnerstag, 17. März 2011

In Äthiopien gehen die Uhren anders

In Äthiopien gehen die Uhren anders. Der Tag beginnt um 6 Uhr in der Früh mit der ersten Stunde. Und selbst wenn man dann pünktlich ist, ist man noch immer um 8 Jahre falsch. Äthiopien schreibt zur Zeit das Jahr 2003.

Scan

Wie immer zittere ich etwas bei der Einreise wegen meines Equipments. Meine TV-Kamera ist einfach zu groß, um als Touristenkamera akzeptiert zu werden. Vor dem bürokratischen Aufwand als Journalist einzureisen haben mich Kollegen gewarnt. Also stehe ich vor der Zollkontrolle als Tourist und zu allem Übel geht mein Rucksack aus unerklärlichen Gründen nicht mehr ganz zu. Kabeln und Kamera sind gut sichtbar. Daneben habe ich noch in der Fototasche einen doppelten Satz Mikrophone mit Sendern und Empfängern, Stativ, Akkus und eine zweite kleine Kamera. Ich beginne etwas zu schwitzen als ich sehe, dass bei der Einreise alles nochmals genau gescannt wird. Ich stehe in einer langen Schlange und warte auf dem „Moment der Wahrheit“. Plötzlich fischt mich eine Äthiopische Zöllnerin aus der Reihe. „Nothing to declare?“ Ich schüttle instinktiv den Kopf, werde an den Scannern vorbeigeschoben und bin plötzlich ohne Scan eingereist. Manchmal gibt es doch glückliche Fügungen.

Am Flughafen wartet Getachew Aberra, der für Äthiopien verantwortliche „Licht für die Welt“ Mitarbeiter. Licht für die Welt ist eine Österreichische Hilfsorganisation die sich dem Masterplan Vision 2020 verschrieben hat. Weltweit soll bis zum Jahr 2020 kein Mensch mehr an einer heilbaren Augenkrankheiten erblinden. Besonderen Focus legt Licht für die Welt dabei auf Äthiopien. Mit dem Taxi geht es nach Addis Abeba. Überall wird gebaut. Die Baugerüste machen die Handwerker zu Akrobaten. Auf langen Stangen und wenigen Querbalken balancieren sie viele Stockwerke über dem Boden die Fassaden entlang.

Eines der weltweit ärmsten Länder macht auf den ersten Blick in der Hauptstadt einen für mich erstaunlichen Eindruck: Betriebsamkeit wo man hinschaut. Kaum Schmutz auf den Straßen und überall entsteht Neues.

Kontakt mit Esel

Beim Einsteigen in den alten Landrover fühle ich mich nicht gerade wohl. Hinten, quer zur Fahrtrichtung, wirft es einen bei jeder Lenkbewegung von links nach rechts. Und dann kleben wir alle auch schon an der Rückseite des Fahrersitzes. Zum Glück für uns funktionieren die Bremsen dieses alten Gefährts nicht mehr einwandfrei, sonst wären wir durch die Windschutzscheibe geflogen. Pech jedoch für einen Esel der sich uns als Hindernis mitten auf die Straße gestellt hat.

Wir, das sind eine Gruppe von Journalisten aus Österreich und ein paar Mitarbeiter von „Licht für die Welt“. Unterwegs sind wir von Addis Abeba nach Nekemte. 330 Kilometer Autofahrt, in Österreich ein Vergnügen auf der Autobahn, hier ist das ein Tagesprojekt. Auf der Straße sind tausende Menschen unterwegs, jedoch nicht mit Autos, sondern zu Fuß. Dazwischen Kühe, Ziegen, Pferde und Eseln. Einer von den Eseln hat nun nach der Begegnung mit unserem Landrover ein paar blaue Flecken.

Schlamm

Solange die Straße asphaltiert ist, geht es dennoch rasch vorwärts. Für die ersten 150 Kilometer benötigen wir drei Stunden, vorbei an unzähligen Gewächshäusern, in denen Schnittblumen für Europa gezogen werden. Dann aber wird es mühsam. Chinesische Firmen haben hier viel Land gekauft und bauen die alte Straße zweispurig aus. Offensichtlich haben die Planer dieser Bauarbeiten nicht mit Regenwetter gerechnet, denn seit gestern verwandelt sich diese 150 Kilometer lange Baustelle in einen große Schlammfläche. Und es beginnt erneut heftig zu regnen. Unser Fahrer macht sich Sorgen. Das Auto schwimmt mehr auf der Straße als dass es fährt. Nach einigen Kilometern driften, rumpeln und vielen blauen Flecken, stoppen wir in einem kleinen Dorf vor einer temporären Augenambulanz.

Augenuntersuchung

Die Sonne geht schon fast unter und noch immer warten hunderte Menschen auf eine Untersuchung. Für viele wird der oft weite Fußweg hier her zur Augenambulanz wohl umsonst gewesen sein. In einem kleinen Zimmer operiert eine Ärztin gerade eine ältere Patientin, daneben werden andere Personen untersucht, Schreibarbeiten erledigt. Für europäische Maßstäbe sind die hygienischen Bedingungen hier unvorstellbar. Tapfer liegt die alte Frau auf dem „Operationstisch“ und befolgt genau die Anweisungen der Ärztin. Durch immer wiederkehrende Entzündungen sind bei ihr Vernarbungen der Bindehaut entstanden. Dadurch beginnt sich das Augenlied einzuklappen und die Wimpern scheuern auf der Hornhaut. In einem schmerzhaften und langwierigen Prozess werden die Menschen dabei langsam blind. Bei der Operation wird ein Teil des Augenlieds entfernt, sodass die Wimpern nicht mehr auf der Hornhaut schaben können. Medikamente helfen gegen die Infektion. Nach zwanzig Minuten ist die Operation beendet. Rasch ist das Auge verbunden und schon nimmt die nächste Patientin Platz auf der Liege. Zwischen all den wartenden Patienten entdecke ich Pastor Kes Asfaw Terfassa von der Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus. Er organisiert diese temporären Augenambulanzen hier, fährt nahezu täglich mit seinem Team in die Dörfer um Menschen zu untersuchen.

Er bittet uns einige Patienten nach Nekemte mitzunehmen. Grauestar-Operation zum Beispiel können nicht in den Ambulanzen durchgeführt werden. Dazu müssen die Patienten in die Augenklinik in Nekemte gebracht werden. Eigentlich hatte ich bereits das Gefühl, dass unser Landrover mit sechs Personen voll besetzt ist. Als wir selbst nach längerem Schlichten nicht alle weiteren Fahrgäste unterbringen können, wird ein zweites Auto organisiert. Dennoch, der Platz bleibt eng. Alle sind mehr oder weniger ineinander verkeilt, was zwar den Sauerstoffgehalt im Jeep herabsetzt aber auch die Anzahl der blauen Flecken reduziert.

Dirty Road

Weil ich mit Pastor Kes Asfaw Terfassa ein Interview machen möchte und er das zweite Auto fährt, sitze ich nun auf seinem Beifahrersitz. Ein tolles Privileg, denn die nächsten sechs Stunden werden wirklich mühsam. 150 Kilometer auf einer mehr als „dirty“ road! Der Regen wird immer stärker und tiefschwarze Nacht umgibt uns. Plötzlich mitten auf der Straße große Steine. Bei uns in Österreich ein Grund vor diesem Hindernis rechtzeitig zu warnen, sind sie hier selbst Zeichen der Warnung. Vor uns rutschen LKWs die Straße herunter. Der Schlamm wirkt wie spiegelglattes Eis. Einmal im rutschen, kann so ein Tonnen schweres Gebilde nicht mehr gestoppt werden. Kreuz und Quer sind die LKWs nun zum Stillstand gekommen. Eine Durchfahrt auf der „Straße“ aber nicht mehr möglich. Wir springen aus dem Auto in den knöcheltiefen Morast. Hier zu Übernachten scheint wenig attraktiv. Mit Schaufeln beginnen nun die LKW-Fahrer links den Hang zu bearbeiten und einen Graben zuzuschütten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir über diesen „Ersatz-Weg“ an den Hindernissen vorbeikommen können.

Eine Stunde später gibt Pastor Terfassa Vollgas. Wir schlittern, graben uns mit den Rädern etwas ein und driften dann doch heil an den LKWs vorbei. Unser mühsamer Weg lässt mich verstehen, warum die Menschen aus ihren Dörfern kaum zu den wenigen Kliniken in den Städten kommen können und der Pastor dieses Hilfsprojekt ins Leben gerufen hat. Er beginnt mir zu erzählen, dass Blindheit in Afrika nahezu ein Todesurteil ist. Die Menschen können nicht mehr arbeiten, finden sich nicht mehr zurecht, verarmen mit ihren Familien.
Ärztemangel

Für sein Projekt der sogenannten Outrech Center, den temporären Ambulanzen, benötigt er dringend einen neuen Augenarzt. Er kann nur wenig zahlen und die wenigen Augenärzte in Äthiopien unterliegen oft der Versuchung mit privaten Ordinationen wesentlich mehr Geld zu verdienen. Auch gehen viele nach dem Studium ins Ausland. Am liebsten würde der Pastor sich einen europäischen Arzt wünschen, der hier ein paar Monate freiwillige ordiniert. „Warum keinen Äthiopischen Arzt“, frage ich. Wir diskutieren über soziales Engagement und wie in der Gesellschaft ein Bewusstsein füreinander entstehen kann. Unterm Strich ist es für Terfassa die Versuchung wo anders wesentlich mehr Geld zu verdienen, die viele vor einem sozialen Engagement abbringt.

Zwei Stunden später sind wir endlich in Nekemte. Fast zehn Stunden durchschütteln liegen hinter uns. Im Hotel ist bereits alles finster. Nach längerem Hupen öffnet uns dann doch der Nachtwächter. Beim Aussteigen aus dem Auto bemerken wir, dass aus dem weißen Pickup ein komplett brauner geworden ist und zwar bis zum Dach, wo unser Koffer festgezurrt sind. Wir schleppen unsere Sachen ins Zimmer und denken voll Sorge an das Personal, das morgen unsere Schlammspuren wieder beseitigen muss.

Mehrere Zeiten

Kaputte Duschen, schiefe Fließen, schmutzige Böden und auch nicht gewechseltes Bettzeug fallen dem freundlichen und bemühten Hotelpersonal nicht auf. Hier in Äthiopien scheinen die Menschen aus unterschiedlichen Jahrhunderten dicht nebeneinander und miteinander zu leben. Moderne Stahlbetonbauten neben Lehmhütten, Allrad-Autos neben Eselskarren, Lehmboden neben Federkernmatratze. Während wir Europäer schwere Koffer und Taschen in unsere Zimmer schleppen, benötigen die Patienten die mit uns im Hotel übernachten nur ein kleines Sackerl für ihr Hab und Gut.

Nachdem Frühstück bemerke ich, dass einer der Patienten komplett blind ist. Seit 16 Jahren hat ihm der Graue-Star das Augenlicht geraubt. Er möchte nun endlich ein Familie gründen, eine Frau heiraten, erzählt er mir und hofft auf eine positiv verlaufende Operation. Ich halte ihn für einen alten Mann und bin erstaunt, denn im Gespräch erfahre ich, dass er erst Mitte 30 ist. Begleitet wird er von einem sechzehnjähriger Bursch aus dem selben Dorf. Seine Diagnose ist ebenfalls Katerak, Grauer Star, jedoch nur auf einem Auge. Mit dem anderen sieht er ganz gut. Seine beruflichen Träume sind zu studieren, um Augenarzt zu werden.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Gezuckerter Wein - Crazy Punschstand!

Linkes Bein kurz anheben, Schultern hochziehen, Nasentropfen abwischen, mit dem rechten Fuß etwas Schnee zusammenschieben, vor Kälte schütteln. Als Punschstandbesucher erwartet man sich keinen Komfort. Zuerst verbrennt man sich am klebrigen Häferl die Finger und dann geht es viel zu rasch bergab mit der Temperatur. Von den Füßen her beginnt der Körper gefühllos zu werden. Doch man weiß bereits jetzt, dafür wird man am nächsten Tag mit einer doppelten Portion „Gefühl“ im Kopf belohnt.


Von hinten schieben Massen Richtung Ausschank, von vorne balancieren glückliche Menschen pro Hand vier Häferl an einem vorbei. Ein bisschen etwas landet immer am Anorak. Dazwischen Shopping-Vergnügen. Wer braucht all die Kerzen, Steine, Holzfiguren, Glasperlen und Seifen? Je altfatrischer die Wahren in den Hütten, desto dredlockinger die Verkäufer.


Doch irgendwie scheinen hier alle verzaubert. Wer würde unter normalen Umständen gezuckerten Wein trinken und dafür auch noch bezahlen? Wer ginge selbst im Sommer bei kühlen Temperaturen zu einer Stehung ins Freie? Und wer wäscht sich die Hände mit Seife, aus der ganze Zimtstangen , Gewürznelken und Lavendelblüten ragen?


Doch Weihnachten verwandelt die Welt. Das kleines Zauberwort „Punschstand“ macht es möglich. Da standen also gestern Tausende Menschen am Spittelberg, dicht gedrängt und taten all das, was man gemeinhin als verrückt bezeichnen würde. Zum Glück ist nicht alles rational in unserer Gesellschaft.

Mittwoch, 17. November 2010

Und noch ein Grund, warum der ORF immer weniger Seher hat.

Angenommen die Familie Huber hat bis vor einige Zeit die ORF Programme über analoges Antennensignal empfangen. Dann wurde auf DVB-T umgestellt. Die Hubers mussten handeln, wollten sie weiter fern sehen. Der freundliche Mitarbeiter im Mediamarkt hat Herrn Huber eine Satelliten-Empfangsanlage empfohlen. Weit über 80 Programme sollten jetzt die Hubers empfangen können.
Die Hubers sind mit ihrem neuen SAT-Spiegel aufs Dach gestiegen, haben die SAT-Schüsseln der Nachbarn angeschaut und ihren Spiegel ähnlich montiert. Mit dem Handy am Ohr hat Herr Huber am Dach justiert. Dann hat seine Frau vor dem Fernseher glücklich gerufen: „Super jetzt passt das Bild, 83% Signalstärke, toller Empfang, alles palletti“ RTL, SAT1, ZDF, ARD, und weit über 80 Programme sind gut empfangbar, gute Bild- und Tonqualität. Leider sind ORF1 und ORF2 nicht dabei. Die Hubers verstehen das nicht, ist doch der SAT-Spiegel offensichtlich richtig und gut ausgerichtet, wie bei den Nachbarn.
Frau Huber ruft bei ORF-Digital an und erfährt, dass es drei Stunden dauern kann, bis die ORF-Digital Karte freigeschalten ist, erst dann kann der ORF empfangen werden. Außerdem muss für die Freischaltung noch eine Gebühr bezahlt werden, so wie für das Telefongespräch. Die Hubers denken, sie zahlen doch bereits ORF Gebühren, ein leichter Ärger kommt auf, man will sich aber die Freude über die neue SAT-Anlage nicht vermiesen lassen und wartet. Doch der Bildschirm bleibt bei den ORF Programmen schwarz. Auch nach fünf Stunden. Neuerlicher Anruf bei der Helpline von ORF-Digital. „Die Karte umdrehen, machen Karten müssen verkehrt in das Gerät geschoben werden“, sagt die freundliche Stimme. Auch das bringt keine Lösung.
Der TV-Abend wird ohne den gewohnten ORF verbracht. Die Hubers entdecken neue Sender, finden es toll, dass es so viel unbekanntes Angebot gibt. Nach ein paar Tagen, neuerlicher Anruf bei der Helpline. Noch immer kein ORF empfangbar. Jetzt erfahren die Hubers, dass ihre SAT-Anlage schlecht aufgestellt ist. Das können die Hubers aber nicht glauben, funktioniert doch alles bis auf den ORF einwandfrei. Und doch: Der freundliche Mitarbeiter von ORF-Digital erklärt, dass eben der ORF eine besonders exakte Einstellung der Schüssel benötigt, wegen des „schwachen“ Signals. Das ist zwar technisch nicht richtig erklärt, aber die Hubers verstehen das und wollen nachjustieren.  Herr Huber steigt nochmals aufs Dach. Doch jetzt beißt sich, bildlich gesprochen, der Hund in den Schwanz. Zum genaueren justieren müsste man jetzt ein ORF Bild empfangen können, das geht aber nur, wenn die Digital-Karte ihre Verbindung zum Satelliten aufgenommen hat. Dafür ist aber wiederum eine exakt eingerichtete SAT-Schüssel und viel Zeit zum Initialisieren Voraussetzung.
Wieder ein Abend ohne ORF. Nach einer Woche gewöhnen sich die Hubers an die anderen Programme. „Tatort“, Filme und auch die gewohnten Serien kann man ja auch bei den deutschen Sendern sehen.
Ein letzter Versuch. Frau Huber frägt beim Elektrogeschäft im Ort nach. Ja, man könne die Schüssel am Dach exakt einstellen. Kosten so um die 200 bis 300 Euro, denn so wie der Herr Huber das aufgestellt hat, „könne man es auf keinem Fall lassen. Da braucht es dann auch noch einen Spengler und … „ Frau Huber verlässt das Geschäft, ärgert sich über den ORF und die Familie verbringt zukünftige TV-Abende ohne das Fernsehprogramm des Österreichischen Rundfunks.

Dienstag, 16. November 2010

Buried - Lebend begraben

Zum Glück macht man sich über so manches keine Gedanken. Und dann erreicht es einen plötzlich doch. Zum Beispiel konfrontiert einen die PR-Maschinerie des Kinofilms "Buried - Lebend begraben" damit, sich auszumalen wie es wäre, fände man sich plötzlich in einem engen Sarg, einige Meter unter der Erde wieder. Bis jetzt bin ich gerne in Höhlen, Tunnel und Grotten gekrabbelt, die unerforschte "Unterwelt" hatte eine große Anziehungskraft auf mich. Doch seit gestern, werde ich dieses beklemmende Gefühl der Ausweglosigkeit fast nicht los. Nicht einmal umdrehen kann man sich in so einem Sarg. Es hat schon einen Grund, warum so eine Kiste für Tote und nicht für Lebende geschaffen wurde. "Wenn man es will, dann schafft man es auch". Diesem Credo setzen ein paar Tonnen Erdreich über einem und ein paar Holzbretter links und rechts, eine unüberwindbare Barriere entgegen. Sich der Ausweglosigkeit stellen, das letzt Scheitern im Blick haben, nichts mehr tun können. Wahrlich kein gutes Gefühl. Und dennoch ist es das, was uns letztlich alle erwartet, die totale Ohnmacht. Nicht alles kann man, wenn man es nur will, überwinden. Oder doch?

Samstag, 30. Oktober 2010

Resebericht Kerala - Indien

Millimeterarbeit

Auf der Nepal-Karte ist der Weg als „Araniko Highway“ bezeichnet. Vielleicht wird er das einmal, wenn in Jahren die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Derzeit schaut es eher nach planlosem Löcher graben aus. Zwischen Baggern, Hügeln und Gruben schieben sich Mopeds, Lastwagen und wir, in einem Jeep, durch die Dörfer. Wir das sind Vertreter von SOS-Kinderdorf Österreich, Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf Nepal und ich. Sechs mal sind wir nun schon diesen Weg zwischen Kavre und Katmandu gefahren. Ein paar Kilometer nur, für die wir aber mehr als eine Stunde benötigen. Doch es geht nichts über Präzession: Nur wenige Millimeter trennen unsere Karosserie von allem möglich anderem.

Eingestaubt

Fast das ganze Leben hier spielt sich links und rechts von dieser „dirty road“ ab. Rund vier Millionen Menschen leben in und rund um Katmandu, der Hauptstadt von Nepal und es scheint so, als wäre jeder doppelt auf der Straße. Es staubt und die Dieselmotoren hüllen alles in schwarze Rußwolken. Wie es die Menschen hier schaffen ihre Kleidung stets so farbenfroh zu halten bleibt mir ein Rätsel. Mich jedenfalls überzieht nach einem halben Tag eine dicke Staubschicht.

Am Straßenrand treffen wir eine Frau die hier ein Gemüsegeschäft betreibt. Eigentlich ist ihr Geschäft auf der anderen Straßenseite. Doch der Laden steht leer. Ihr Gemüse hat sie auf dem Boden ausgebreitet. Die Leute kaufen hier lieber direkt vom Straßegraben, sagt sie uns. Um vier in der Früh ist sie bereits zum Großmarkt unterwegs und besorgt mit dem Taxi frisches Gemüse und Obst für ihr „bodenständiges“ Straßengeschäft.

In den Kinderdörfern sind wir Ehrengäste. Spalier, herzliche Begrüßung, Tanzvorführungen, Präsentationen und Ehren-Ring-Überreichungen an langgediente Mütter stehen jeweils auf dem Programm. Danach gibt es gutes Essen. Auch hier gilt: Die Nepalesen machen alles gerne auf dem Boden. Auf der Wiese hinter dem Festplatz werden die Zutaten zubereitet und danach alles in 150-Liter-Töpfen gekocht. Vielleicht sollte ich nicht überall dahinter schauen. Ich vergesse die Eindrücke meiner neugierigen Blicke und lassen mir den Appetit nicht verderben. Traditionell wird mit den Fingern gegessen. Wir bekommen jedoch Besteck.

Röter geht’s nimmer!


Nicht weit vom Kinderdorf Sano Thimi liegt Bhaktapur, ein 800 Jahre alte, gut erhaltene Tempelstadt. Kurzer Abstecher zu dieser Touristenattraktion. Magische Anziehungskraft auf die Besucher hier hat einer der ältesten Tempel. Hunderte Fotoapparate klicken und lichten ab, was sonst nur in schmuddeligen Rotlicht-Bars zu sehen ist, hier allerdings öffentlich auf Steintafeln und Holzschnitzereien, schon seit Jahrhunderten. Ob die Menschen wegen der Hitze, oder der pikanten Darstellungen so stark erröten?

Das „Nirvana“ als Ziel

Unser Ziel ist das Hotel „Nirvana“ und wir fliegen mit „Buddha Air“. Also wenn da nicht das Herz eines Religionsjournalisten höher schlägt! Die kleine Maschine huscht noch schnell vor einem großen Brummer auf die Landebahn und schnell wird Katmandu kleiner, leiser und bekommt Struktur von oben. Hinter den Wolken werden die ersten Spitzen des Himalaja-Gebirges Sichtbar. Hinter mir im Flieger sitzt ein Nepalfan, er benennt jeden der hunderten Sieben- und Achtausender-Gipfel. Anerkennende Blicke der Mitreisenden sind im sicher. Ein sehr Eindrucksvolles Erlebnis so nah am „Dach der Welt“ vorbei zu fliegen.

Lubini ist eine Bio-Sauna. Aufguss während der Regenzeit. Jetzt dampft es noch ein bisschen nach. Unmittelbar neben dem Flughafen steht das neue Kinderdorf. Von Minute zu Minute scharren sich mehr Polizisten mit schweren Waffen rund um das Dorf. Ich erfahre, dass der nepalesische Präsident erwartet wird. Die Temperaturen steigen und zum Glück trage ich keinen dunklen Anzug und auch keine Krawatte, so wie viele andere, die so aussehen, als kämen sie gerade aus der Dusche.

Durchbruch des Sicherheitswalls

Das Protokoll in Nepal verlangt die höfliche Anrede aller Ehrengäste. An diesem Vormittag höre ich die lange Liste aller „most honorable“ Personen bestimmt zehn mal. Jede Rede beginnt und endet mit dieser Aufzählung. Und dann ist das Kinderdorf nach Stunden eröffnet. Der nepalesische Präsident schaut etwas grimmig drein, dennoch durchbreche ich den Sicherheitswall seiner Bewacher und mache zum Erstaunen der Securities beim Mittagessen ein Kurzinterview mit ihm. Manchmal hat es auch einen Vorteil, wenn man die Sprache in einem Land nicht versteht. All die Verbote und Zurückweisungen habe ich so gar nicht mitbekommen.

Waffen und Käsefüße

Bhairahawa, so heißt die Stadt in der wir nächtigen. Neben dem nepalesischen Präsidenten ist auch den „Governor of Tirol“ angereist. Mehrere Polizisten werden für Ehre und Schutz des ausländischen Gastes abgestellt. Mit den Waffen im Anschlag und schweren Stiefeln umkreisen sie unser Hotel „Nirvana“. Allerdings nur solange, bis ihr Vorgesetzter sich in eine Hotelsuit zurückzieht. Um halb eins in der Nacht wird die Hotelhalle dann nur noch mit Hilfe von starken Geruchsstoffen bewacht. Die Polizisten haben ihre Schuhe ausgezogen und schnarchen fest auf den Couchen in der Lobby, die Finger natürlich im Abzug an den Waffen. Ich sitze gegenüber, versuche Emails zu beantworten und fürchte ein Ereignis, dass den friedlichen Schlaf unserer Bewacher stören könnte, eine unvorsichtige Bewegung und es besteht berechtigte Angst wirklich im „Nirvana“ zu landen.

Und dann betritt tatsächlich eine obskure Gestalt gegen halb zwei die Hotellobby. Stellt sich hinter mich und tut so, als ob sie noch nie einen Laptop gesehen hat. Als nur noch 15 cm Abstand zwischen Fremdem und meinem Monitor sind, klappe ich zu und gehe auf mein Zimmer. Die Soldaten schlafen friedlich weiter.

Die Anzahl der Kellner toppt die der Polizisten. Dennoch: das Frühstück dauert. Dann bekommen wir gebackenes Gemüse mit Chilli. Ganz mein Geschmack.

Singende Kinder und schwingende Brücken

Drei Stunden geht es nun mit dem Auto nach Bharatpur, in ein weiteres der sieben Kinderdörfer in Nepal. Die Landschaft ist faszinierend. Giftgrüne Reisfelder und kaum ist man um die Kurve, Müllhalden und staubige Dörfer, um so gleich wieder in üppiger Landschaft zu landen: Gegensätze und starke Kontraste. Ein Brücke bringt uns an das andere Ufer über einen der größten Flüsse Nepals. Unter uns wird Schotter und Sand gewonnen, daneben baden Ochsen und Kinder. Ich versuche eine Videoaufnahme, doch die Brücke schwingt so stark, dass eine Aufnahme unmöglich ist. Endlich am anderen Ufer, erreichen wir sogleich das Kinderdorf. Wieder herzlicher Empfang, Spalier, Begrüßung und vorzügliches Essen! Die Kinder haben eine tolle Show einstudiert. Ein wunderbar kurzweiliges Programm aus Trachtenschau, Tanz, Musik und Ansprachen und ein Landeshauptmann aus Tirol, der für die Kinder Jodeln muss.

Tiroler Delegation und SOS-Betreuer verlassen mich nun Richtung Katmandu. Ich entscheide mich für einen weiteren Drehtag in Lumbini und steige in den Bus. Mit dieser Fahrt, kann keine noch so tolle Attraktion in einem Vergnügungspark mithalten. Auf der Rückfahrt von Bharatpur, Einbruch der Nacht auf halber Strecke. Auf der Straße hunderte unbeleuchtet Radfahrer, Kühe, Ziegen und Hunde. Alle paar Kilometer hat ein LKW oder Bus eine Panne. Davor sitzen die Menschen einfach mitten auf der Straße und warten, vielleicht auf Licht? Um die Spannung zu steigern, ab und zu tiefe Schlaglöcher und Felsen. Das einzige was bei vielen Gefährten wirklich funktioniert ist die Hupe.

Von Drahteseln und deren Entmannung


Fahrräder sind hier nicht nur Drahtesel, sondern wahre Lasttiere. Baustämme, Felsen, Heu und Reis, alles wird voll Kreativität auf das bisschen Metall mit zwei Gummireifen gepackt. Überhaupt, bei den Fahrzeugen herrscht hier der Hang zur Fantasie, Indien lässt bei der Bemalung der LKWs „grüßen“. Wichtigste Aufschrift: „Please Horn“.

Ich „spiele“ übrigens mehrfach „Kotan“. Immer wieder überholt knapp am Auto ein Fahrrad. Wir bleiben stehen, ich öffne die Tür und wie aus dem Nichts, …. schon wieder habe ich Fahrrad und Fahrer voneinander getrennt. Zum Glück ist nichts passiert. Die Nepalesen sind in vielen Belangen sehr zäh!

Morgenstund hat Gold im Mund

Ich überwinde mich bereits kurz fünf Uhr in der Früh das Bett zu verlassen und gewinne einen neuen Eindruck. Die Menschen sind hier schon alle wach, nützen die Kühle des Morgens für ihre Arbeiten.

Morgenmesse bei den „Sisters of the Cross of Chavanod“. Sieben Schwerstern und Pater Sebastian feiern in einem kleinen Zimmer Gottesdienst. Danach machen sich die Schwerstern auf in die Schule und in das von ihnen betriebene Behindertenheim. Viele Katholiken gibt es hier nicht. Obwohl die Schwerstern schon zwanzig Jahre vor Ort tätig sind, gibt es in der Stadt nur eine katholische Familie. Pater Sebastian zeigt mir seine Kirche. Eine große Halle, die mehr oder wenige leer steht. Nur zu Ostern oder Weihnachten kommen die Leute, meist aus Neugier.

Sonntag, 25. Juli 2010

Reisebericht Venezuela

Gleich durchmachen oder doch noch kurz schlafen gehen? Das ist die Frage, die wir uns nach zwei Uhr morgens stellen. Egal wie viel Zeit man sich für die Reisevorbereitungen nimmt, es geht sich immer gerade auf die letzte Minute aus und manchmal auch nicht.

Wie immer entwickelten wir am Tag unserer Abreise ungeheure Kreativität Projekte aus den letzten Monaten doch noch fertig stellen zu wollen und gleich noch weitere neue zu beginnen. Und diesmal sind es nicht Video-Schnitte, die ich bis zum Hupen des Flughafentaxis durchführe. Nein, ich lernen dazu und habe es nicht gewagt so kurz vor dem Abflug noch einen PC einzuschalten. Dafür habe ich „wichtige“ offene Einkäufe der letzten Wochen erledigt und einen Zaun im Garten gebaut, Gras gesät, Werkstatt aufgeräumt, ... Petra begann mit einer gründlichen Speisekammerinspektion der anschließend eine fundamentale Aufräumaktion folgte und dann wollten wir ja auch noch den Dachboden zusammen räumen und einige Sträucher verpflanzen … alles ganz wichtige Dinge vor einer Reise nach Venezuela.

Einzig Julia hat bereits gegen Mittag den Inhalt ihres Zimmers rund um einen Koffer im Wohnzimmer ausgebreitet. Seither besteht unsere Wohnung aus nicht mehr passierbaren zwei Teilen.

Also kurz Zusammengefasst: Meinem Koffer widme ich mich erst weit nach Mitternacht und kurz vor unserem Abflug. Und ich entscheide mich doch noch für einen kurzen Schlaf. Petra zieht das Grübeln der Erholung vor und während ich selig ein paar Minuten träume, macht sie kein Auge zu.

Ich bin Optimist!
Daher glaube ich nach 41 Lebensjahren noch immer, dass man auch in zehn Minuten all das erledigen kann, für das man bisher noch nie kürzer als 45 Minuten gebraucht hat. Um 4.49 Uhr macht uns der Taxifahrer nicht gerade freundlich auf unsere Verspätung aufmerksam. Insgesamt ist Zeit ja sehr unfair aufgeteilt: Jetzt fehlt sie uns, um dann in Frankfurt fünf Stunden im Überfluss zur Verfügung zu stehen.

Jedenfalls Zeit vergeht und verändert die Dinge: Einst waren es Tabletts mit Butter, Eierspeise und mehr Verpackung als Essen, die man in den Fliegern zum Frühstück bekam, so ist nun der Nachfolger des späteren „Lufthansaweckerls“ ein trockenes pures und ehrliches Do&Co Kipferl. Im Mund wird es zu einer kaugummiartigen Kugel, mit der man sehr wahrscheinlich Öl-Bohrlöcher stopfen könnte.

Blitzbesuch in Frankfurt
Die knappen fünf Stunden Transferzeit in Frankfurt wollen wir nicht am Flughafen verbringen. Also starten wir einen Blitzbesuch in die Frankfurter Innenstadt besuchen Fußgängerzone, Liebfrauenkirche, Dom und Main und erstehen nebenbei Season III von „Prison Break“. Statt der hessischen Spezialität „Ebbelwei Gickle“ entscheiden wir uns beim Mittagessen für „landestypisches“ Nan-Brot, indisches Masala, Pappadum und Lamm. Eigentlich wird es knapp mit der Rückfahrt zum Flughafen, aber im Urlaub soll man sich Zeit zum Essen nehmen.

In Frankfurt gelte ich ja als potentieller Sprengstofftransporteur. Wie das „Amen im Gebet“ folgt auch diesmal für mich nach dem Sicherheitscheck der Sprengstoffcheck. Man muss ja gleich viel weniger warten, wenn man knapp zum Flugzeug kommt.

Sehr wahrscheinlich wurde die Condor-Maschine noch kurz vor Abflug zu heiß gewaschen. Nur nach starken Verkrümmungen passe ich in den Sitz. Ich freue mich auf die kommenden 11 Stunden!

Ein paar lustige Schweizer und eine deutsche Studentin bieten ein wenig Abwechslung vom Sitz-Schmerz. Mit Rum, den sie heimlich an Board geschmuggelt haben, verdünnen sie jedes Cola und Bier, werden zunehmend lauter, um dann nach sechs Stunden Flug vollkommen „abzustürzen“. Zum Glück gibt es in jeder Sitztasche ein „Speibsackerl“.

Vierundzwanzig Stunden unterwegs
Jetzt sind wir fast vierundzwanzig Stunden unterwegs und unter uns sieht man bereits die Lichter der Isla Magarita. Sanfte Landung. Am Flughafen durchwühlen Sicherheitsbeamte die Koffer von Mitreisenden. Meinen Koffer muss ich nicht öffnen, denn das ist er bereits. Sein Verschluss hat den Flug nicht überstanden, es scheint jedoch nichts zu fehlen. Wir passieren ohne Probleme die Security und fahren zu unserem Hotel, einmal quer über die Insel. Mein neuer Stil einen Koffer zu tragen verwundert Umstehende sehr.

Eine riesige Hotelanlage liegt vor uns. Die Dunkelheit verstärkt die Orientierungslosigkeit. Mehrere Restaurants, verschiedene Bereiche, Pools, Bars. Unser erster Eindruck: Wow!

Am Tag eins nach Ankunft geben wir uns ganz dem „All inclusive“ hin. Üppiges Frühstück, üppiges Mittagessen, üppige Snacks und üppiges Abendessen … wenn das so weiter geht, brauchen wir für jeden von uns zwei Sitzplätze beim Rückflug. Der Strand ist wie auf einer Postkarte, riesig, weiß und mit Palmen. Caipirinhas an der Strandbar im Überfluss.

Hinauf in den Regenwald
Nach zwei Tagen nichts tun, drängt es uns hinauf in den Regenwald. Um 6.45 Uhr machen wir uns auf zur Bergtour mit einem einheimischen Führer. Wir starten etwa auf Meeresniveau. Die Vegetation ist steppenartig, Gras und ein paar kleine, dornige Sträucher, Steine. Doch schon nach hundert Höhenmetern ändert sich die Landschaft total. Die Sträucher überragen uns bereits, es wird grüner, saftiger. Umgekehrt zu Österreich, wo oben die schroffen Felsen ragen und unten die grünen Bäume stehen. Auf unserem Weg zum Regenwald am Berggipfel auf ca. 450 Metern ändert sich nun alle hundert Höhenmeter der Bewuchs und die Akustik. Jede Zone hat ihre Tiere die ordentlich Lärm machen. Still hingegen sitzen die Taranteln in ihren Pflanzen links und rechts an unserem Weg. Die Anstrengung des Weges lässt und schwitzen, obwohl die äußere Temperatur merkbar abfällt. Unglaublich, dass auf so wenig Höhenmetern so unterschiedliche Klimazonen existieren. Nach vier Stunden Aufstieg mit ein paar Pausen, haben wir es geschafft. Riesige Bäume mit Luftwurzeln, üppigste Pflanzen mit immensen Blättern versperren jeden Blick auf den Himmel. Ein nahezu undurchdringbares, grünes Dach breitet sich über uns aus. Wir sind im Regenwald am Berggipfel angekommen. Hier fangen sich die Wolken und regnen in heftigen Güssen aus. Wir bleiben jedoch trocken. Früher haben Menschen Teile diese Urwalds bewirtschaftet. Im Schatten der riesigen Bäume wurde Kaffee und Kakao angepflanzt, erzählt uns unserer Führer. Dann suchen wir uns Früchte, trinken aus Kokosnüssen und schwingen uns an Lianen hängend durch den Wald. Doch es heißt geben und nehmen und so werden wir selber auch zur Nahrung - für hungrige Moskitos.

Ein paar Tage relaxen wir nun schon im Hotel. Der Strand fasziniert uns. Obwohl jeder Küstenabschnitt in Venezuela öffentlich ist, kommen an „unserem“ mehr als einen Kilometer langen weißen Sandstreifen kaum Leute vorbei, auch die Hotelgäste sind hier kaum präsent. Und so sind wir relativ alleine beim Spielen mit den Wellen.

Das Fatima Lateinamerikas
Heute wollen wir die Insel umrunden. Erster Punkt unserer Besichtigungen ist der Wallfahrtstort El Valle. Ein kleiner Ort mit einer noch kleineren Kirche. Dennoch, er wird als das „Fatima Lateinamerikas“ gehandelt. Vor uns war auch schon Papst Johannes Paul II. hier. Der Stuhl auf dem er für fünf Minuten gesessen ist, wird seither als „Heiliger Stuhl“ verehrt, hunderte Blumen werden täglich davor abgelegt. Dass der „neue“ Papst Benedikt heißt, hat sich bis hierher noch nicht herumgesprochen. Die Kirche wird nicht geputzt, sondern ständig neu gestrichen, auch eine Methode, die Dinge sauber zu halten.

Austerndinner in den Salzwassermangroven
Für uns geht es weiter in die Salzwassermangroven zwischen Isla Margarita und Isla Macanau. Zwei Stunden kurven wir mit dem Motorboot durch enge überwachsene Kanäle, brechen uns Austern von den Mangrovenwurzeln und halten unser erstes Austerndinner. Wir sind uns einig: Das waren nicht unsere letzten Austern! Der kulinarischen Genüsse nicht genug, essen wir beim Verlassen der Mangroven dann auch noch die besten Empanadas der Welt, mit herrlichen Saucen – der Straßenstand außen pfui und innen hui!

Etwas später ist Bildung angesagt. Die Universität hier betreibt ein Meeresmuseum mit angeschlossenem Aquarium. Klein aber fein. Wir trauen uns unbekanntes Meeresgetier (Schnecken, Würmer, Egel, Igel und Sterne) aus dem Wasser zu fischen und anzugreifen.

Dann umrunden wir noch die „Insel“ Macanau, die durch eine Sandbank mit Margarita zu einer Insel zusammengewachsen ist. Fantastisch sind die verschiedenen Klimazonen hier. Margarita ist ganz grün und tropisch, Macanau, nur wenige Kilometer daneben, karge Steppe.

Das Günstigste auf der Insel ist neben Benzin Alkohol
Es ist unvorstellbar, dass Tage auf der Insel ohne Cocktail enden, also prosten wir uns mit Cola Rum zu. (Mit der Information, dass Rum hier billiger als Cola oder auch Wasser ist, kennt man auch schon die Mengenverteilung.) Alkoholsucht ist hier anscheinend ein echtes Problem. Dennoch, Herumtorkeln oder Grölen ist hier auch unter Jugendlichen nicht schick, obwohl die Menschen wirklich viel trinken.

Rund 400.000 Menschen leben auf Isla Margarita und es ist interessant beim Durchqueren der Ortschaften ein wenig in die Häuser zu blicken. Wunderschöne gepflegte Grundstücke neben echten Bruchbunden. Sehr einfache Räume bloß mit einem Sessel und einer Hängematte ausgestattet, neben geschmackvollen Wohnzimmern voll von Möbel und Kunstwerken. Da Häuser hier meistens keine Fenster, sondern nur Gitter haben, ist Voyeurismus vorprogrammiert .

Kreuzerl am Wahlzettel
Für das richtige Kreuzerl am Wahlzettel bekommen hier die Menschen viel, so erzählt man uns, von Autos bis zu neuen Häusern als „Wahlzuckerl“. Das Sozialsystem ist auf der Insel sehr gut ausgebaut. Schule und medizinische Versorgung ist für jeden komplett gratis und am letzten Stand. Überhaupt übernimmt der Staat hier eine gewisse Grundversorgung für alle. Das spornt viele nicht gerade zu Höchstleistungen an, „man bekommt es so oder so“, erzählt man uns. Benzin zum Beispiel wird vom Staat quasi verschenkt. Ein voller Tank mit 50 Litern kostet 1,20 Euro. Offene Stellen gibt es hier auf der Insel genug, aber nur wenige Menschen, die einen Job wollen oder brauchen.

Auch für den Urlaub scheint der Staat zuständig zu sein. Viele Kinder und Jugendliche aus Venezuela werden organisiert in Gruppen in den Hotels der Insel für ein oder zwei Wochen untergebracht und betreut, gratis!

Die schönsten Frauen der Welt?
Leider scheint das mit den schönsten Frauen der Welt, die angeblich aus Venezuela kommen sollen, eher ein Gerücht zu sein. Es hat hier zwar fast jede Frau einen stolz vor sich hergeschobenen Silikonbusen, das Geld hätte aber besser in eine Fettabsaugung investiert werden sollen. Frauen unter 90 kg sind hier rar.

Nasser als nass am Fischerboot
Wir besteigen ein Fischerboot. Durch diese Prozedur sind wir bereits nass, bevor wir auch nur eine nautische Meile zurückgelegt haben. Dann hebt sich das Vorderteil des Bootes aus dem Wasser und fliegt mehr als es fährt an der Küste entlang. Was bis jetzt noch trocken war, ist nun durch Spritzwasser getränkt, vor allem weil unser Kapitän große Freude an scharfen Kurven hat. Will er wirklich das Boot heute noch versenken oder uns von Board schleudern? Es kommt auch noch Wasser von oben dazu. Ein heftiger Schauer erinnert uns daran, dass wir das Land eigentlich zur Regenzeit bereisen. Wir fahren den dunklen Wolken davon und landen auf einer kleinen Strandzunge zwischen romantischen Felsen. Ja, so lässt es sich leben.

Mittwoch, 19. August 2009

Reisebericht Bali & Singapur

Start der Reise: Unterwegs nach Singapur
Heute ist der Tag des Flughafens. 3 Uhr 30 Aufstehen und mit Julia nach Schwechat fahren. Nach zehn Jahren teilt sich die Familie im Urlaub erstmalig. Julia fliegt nach Texas und wir über Singapur nach Indonesien. Die Müdigkeit ist gewaltig, vielleicht hätten wir gestern nach dem Grillen keine Mochitos mehr schlürfen sollen.

Julia wird gut „aufgegeben“ und wir haben noch den Tag über Zeit zum Packen. Also zurück vom Flughafen nach Wien, zwei Stunden schlafen und dann beginnt das Aufräumen, Hasen versorgen und Koffer befüllen. Natürlich finde ich meine Taucherflossen nicht, Lieblingshosen sind in der Schmutzwäsche und das Buch das ich schon immer im Urlaub lesen wollte ist wie vom Erdboden verschwunden. Interessant ist auch dieses Reisegesetzt: Egal wie viel Zeit man hat, man wird immer in der letzten Sekunde fertig. So auch heute.

Beinfreiheit im Flugzeug dank Sitzplatz vor dem Notausgang. 13 Stunden Flug vergehen sprichwörtlich. Zwei Filme und ein Nickerchen später, haben wir das Gefühl gerade mal in Antalya gelandet zu sein, aber nicht in Singapur. Doch!

Auf der Liste der Superlative können wir nun nach dem Welt größten nun auch das Welt höchste Hotel als Gäste abhaken. The Stampfort überragt den Stephansdom und wir bekommen ein Zimmer ganz oben. Auf Augenhöhe mit drei Überschall-Militärjets. Der 8. August ist Nationalfeiertag in Singapur und dazu gehört auch die Demonstration militärischer Macht. So eindrucksvoll die Jets mit ihrem Donnern, so lustig die marschierenden Truppen unten. Hunderttausend Menschen auf der Straße. Alle warten auf das Feuerwerk. Nach den ersten Leuchtkugeln begeben wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. An zweiminütige Rotphasen von Fußgängerampeln muss ich mich erst gewöhnen.

Gänseköpfe, gedörrte Hühnerzungen, rosarotes Schweinefleisch und schwarz-graue Eier. Petra tut sich schwer für heute Abend das richtige Lokal zu wählen. Mehrmals betreten wir eine Speisestätte, doch jedes mal müssen wir die, ob neuer Gäste, verzückten Kellner wieder enttäuschen. So schnell können wir unsere europäischen Gewohnheiten nicht ablegen. Das Essen mit Stäbchen ist eines, doch was dazwischen eingeklemmt wird anderes! Aber wir müssen nicht verhungern. Red Curry und Schrimps mit süßem Chilli sind nun unsere Wahl und wir merken, was hier als süß gilt ist bei uns schon Teil einer Mutprobe. Aber wir sind tapfer, schwitzen beim Essen und putzen brav zusammen. Zum Glück wird das Singapur-Bier in Literflaschen auf den Tisch gestellt.


Tag zwei: Die Welt ist klein
Tag zwei beginnt erst nachmittags. Ich beherrsche mein Handy immer noch nicht und so lässt uns der Wecker bis halb eins schlafen. Wir sind zwar der Mitteleuropäischer Zeit einiges voraus, doch das üppige Frühstück im Hotel hole wir nicht mehr ein.

Auf nach „little India“, dem angeblich noch ursprünglichsten Teil von Singapur. Wir gehen zu Fuß, um die Dimension der Stadt zu ergründen. Hindu-Tempel, Buddha-Tempel und Einkaufs-Tempel, dicht nebeneinander. Kurz erhöhter SMS Verkehr und am Abend treffen wir Familie Kögl. Man hat ja kaum Zeit sich in Rodaun zu unterhalten, also gemeinsames Abendessen in Singapur, die Welt ist klein.


Tag drei: Saubere Stadt und dreckiges Klo
Das National Museum in Singapur steht auf dem Programm. Das Frühstück haben wir dank Petras Wecker erreicht und von der Kalorienmenge auch zugleich Mittag- und Abendessen zu uns genommen : Dim sum, getrockneten Fisch, und viele für uns unaussprechbare asiatische Spezialitäten. Das Museum ist eine multimediale Überraschung. Ein Audioguide führ uns durch 700 Jahre Geschichte von Singapur. Wobei es die Stadt im eigentlichen Sinn erst seit knapp 200 Jahren gibt. Nach zwei Stunden sind wir durchgefroren. Wieder so eine Gesetzmäßigkeit: Klimaanlagen sind prinzipiell um mindestens 5 Grad zu kalt eingestellt. Also raus in die Wärme. Vor der Tür ist die Geschäftsstraße mit der weltweit größten Einkaufszentrumsdichte. Doch bereits nach einer Stunde habe ich genug von diesen Shopping-Center. Next Stopp: China Town in Singapur. Hier finden wir in der angeblich saubersten Stadt der Welt das dreckigste Klo. Urlaub besteht ja meist aus nichts tun, shoppen und essen und sich davon erholen. Also denken wir schon wieder ans Essen.

Entlang des 11km langen Flusses durch Singapur gibt es im Stadtzentrum zwei Lokalmeilen. Gestern hatten wir ja bereits erfolgreich das rechte Ufer, „Clarke Quay“ getestet. Heute ist also „Boat Quay“ links am Ufer an der Reihe. Ein arabischer Bazar ist nichts dagegen. Hunderte Eintreiber versuchen uns ihr Essen einzureden, versprechen Freibier, doppelt Wein oder gar „Half price“. Bei soviel Gastfreundschaft vergeht uns fast der Hunger und etwas überfordert entscheiden wir uns für das letzte, ein indische Lokal. Zum Glück haben wir erst nach dem Essen einen Blick in die Küche geworfen. Diese Flussseite sollte eigentlich „Kloake Quai“ heißen! Also brauchen wir einen Schnaps, oder etwas Ähnliches, dass unseren Magen, oder zumindest unsere Gedanken über Salmonellen, Würmer, Keime, Sporen und Pilze beruhigt. Mit dem Lift geht es in unserem Hotel auf über 200 Meter. Hier in der Cocktailbar direkt über unserem Hotelzimmer haben wir zwar die gleiche Aussicht, wie ein paar Meter tiefer, aber zusätzlich unsere Magendesinfektion, im Form von zwei Caipirinhas.


Tag vier: Von Singapur nach Bali mit Schwierigkeiten
Alles läuft glatt, ein erholsamer Flug in einem fast leeren Flugzeug und dann Zollkontrolle in Bali. Die überall am Flughafen plakatierten Todesstrafandrohungen beziehe ich nicht auf mich, sind wir ja nicht als Drogenkuriere unterwegs. Dennoch befinde ich mich schon wenige Augenblicke später in einem Verhörraum. Wahrheitsgemäß habe ich auf dem Einreiseformular den Wert meiner Videokamera mit 10.000€ angegeben und unsere Laptop (sorry, natürlich ein MacBook Pro) erhöht meinen Wert nochmals um 3.000€. Also besitze ich 12.000€ zu viel an Wertgegenständen. „Ob ich hier arbeiten möchte, ob ich Journalist sei, worüber ich berichte“? Fragen prasseln auf mich ein. „Nein das ist keine TV-Kamera, just for fun, honeymoon anniversary, after 20 years of marriage“, so meine stereotypen aber freundlichen Antworten. Jetzt gehen die misstrauischen Fragen der Zollbeamten eher in die Richtung, welche Art von „privaten“ Filmen ich denn gedenke zu drehen? Fast eine Stunde zähen Verhandelns und Befragens vergehen. Mein Pass wird von vorne bis hinten gecheckt. Dann kommt Bewegung in das Spiel. Ich könnte eine Kaution legen und dürfte dann mit der Kamera einreisen. Zehn Minuten tippt der Beamte in seinen Taschenrechner, schreibt Unmengen an Zahlen auf ein Formular und präsentiert mir dann stolz die Summe, für die in bar zu bezahlende Kaution. 1800$! Ich schaue hilflos, beteuere nicht mehr als 200€ in der Geldtasche und 300€ versteckt in meinem Schuh zu haben. Zum Beweis ziehe ich die Schuhe aus und hole das etwas in Mitleidenschaft gezogene Geld hervor. Doch davon könnte ich nichts hergeben, bedauere ich, ich muss ja die nächsten Wochen auch essen und Hotels bezahlen. Die Mitleidsmasche funktioniert, oder waren es die unansehnlichen Scheine aus dem Schuh? Und da soll noch irgendjemand sagen „Geld stinkt nicht!“. Der Beamte wird weich. „1000$“, „600$“, die Auktion ist ausgerufen. Ich hole nochmals all mein Geld hervor und beteuere, dass das so nicht funktioniert. Ich brauche mein Geld für den Urlaub. Nach über einer Stunde gibt der Zollbeamte auf. Ich soll meine Kamera einfach wieder einpacken, nicht viel reden und an den anderen Beamten unauffällig vorbeigehen. Endlich, Bali ich komme! Ob ich es auch jemals wieder verlassen werde können?

Transfer kann man die drei Minuten vom Flughafen ins Hotel eigentlich nicht nennen. Hier sind wir also zwischengeparkt und warten auf den Start unserer Bali Rundreise morgen Früh. Für Fans von Flugzeugen ein tolles Hotel. Freie Sicht vom Strand auf landende und startende Flugzeuge, alle zehn Minuten. Leider wird es schon finster und ich sehe nur die Lichter der Flugzeuge. Wir essen gut und sind eigentlich sehr müde, ein wenig machen wir uns Sorgen über den Fluglärm – unbegründet! Die zentrale Klimaanlagen unserer wirklich romantischen Herberge übertönt alles.


Tag fünf: Unterwegs nach Ubud
Ein Minibus holt uns pünktlich ab. Straßendörfer ziehen an uns vorbei, dazwischen üppig grüne Reisfelder. Wir lernen ein wenig über balinesische Handwerkskunst: Silberschmied, Holzschnitzer, Stofffärber, … natürlich sind die Verkaufsräume immer größer als die Werkstätten, die wir besuchen. Das Ziel des heutigen Tages ist Ubud.

Ubud hat gefühlte 1000 Geschäfte. Hier ist echt etwas los. Wir umrunden einmal das Dorf und stechen kurz in eine Nebengasse. So laut es in Ubud ist, so leise ist es in den Reisfeldern rund um Ubud. Unser Hotel ist neben dem „Monky Forest“. Wir wagen einen Besuch zu Einbruch der Dunkelheit. Hunderte Affen tummeln sich um uns. In wenigen Minuten wird es Nacht. Wir beschließen eine Wiederkehr morgen Früh bei mehr Licht.


Tag sechs: Von Ubud nach Lovina
Tempel, Reisfelder und üppige Landschaft. Hier hat jedes Haus seinen Haustempel, jedes Dorf mehrere Dorftempel und dann gibt es noch zentrale Heiligtümer. Am Straßenrand Frauen, die ihre Opfer bringen, kleine Schalen mit Dingen des täglichen Bedarfs werden für böse und gute Geister direkt auf der Straße dargebracht, Schutzamulette auf Autos und Motorräder befestigt. Gleichsam faszinierend wie erschreckend: Unter welcher Angst, und Fremdbestimmung der Geisterwelt die Menschen hier leben.

Der Reisanbau ist aufwändig, das Bewässerungssystem ausgeklügelt. Wir bleiben stehen, gehen zu einem Bauern. Reiseanbau ist reine Handarbeit. Bis zu den Knien im Schlamm stehend jätet der Bauer jeden Unkrauthalm zwischen den Reispflanzen und legt den Bewässerungskanal frei.

Weiter geht es zum Meerestempel und dann noch zu einem Seeheiligtum. Nach zwei Stunden Fahrt durch die wolkenverhangenen Berge kommen wir in Lovina am Nordende von Bali an.


Tag sieben: Vulkan und Ostküste von Bali
Wieder schrauben wir uns auf engen Straßen durch dichten grünen Wald auf über 1000 Meter. Die Sicht auf einen noch aktiven Vulkan wird frei, allerdings durch Dunst und Wolken leicht getrübt. Mittagessen auf einer Terrasse mit Blick auf den Vulkan und den alten Kratersee. Immens, welch Kräfte diese Landschaft gestaltet haben.

Next Stop: Ein tropischer Garten. Man könnte hier überall stehen bleiben und meinen, man wäre bereits in einem tropischen Garten, aber wir fahren zu einem Stück Land, wo auch Wege durch die üppige Vegetation führen. Eigentlich ist es eine Kaffee-Plantage, doch hier wird Mischkultur beim Pflanzenanbau praktiziert. Zwischen den Kaffeepflanzen stehen „Stinkbäume“, Kakaopflanzen, wachsen Avocados, Mangostins, Ananas und viele für uns unaussprechbare Früchte. Bali hat keine Industrie. Die Menschen verwenden für ihre Arbeit kaum Maschinen, fast alles wird in Handarbeit erledigt. Eine alte Frau röstet Kaffeebohnen auf Holzscheiten, eine jüngere stampft die schwarzen Bohnen in einem Mörser, dann wird gesiebt, zum Schluss das Pulver aufgebrüht. Wir bekommen eine Kostprobe serviert, für mich zum Glück mit viel Zucker.

Am Abend landen wir wieder in einem wunderschönen Hotel. Für uns (noch) ungewohnt: Bad und WC sind unter freiem Himmel.


Tag acht bis zehn: Auf nach Gili Island
Wecker Nr. 1 läutet um 4:00 Uhr früh, Handyuhr eine Minute später und dann zerstört auch noch der Hotelweckruf die Nachtruhe. Wir wollen auf Nummer sicher gehen und keinesfalls verschlafen. Kurz vor 5 Uhr sitzen wir auch schon im Auto und fahren Richtung Flughafen. Hell wird es hier erst gegen sieben Uhr in der Früh. Dann beginnt auch das Leben in den Dörfern. Tausende Mopeds und Motorräder schlängeln sich auf den engen Straßen, Fahrtrichtungen spielen hier keine Rolle. Wo Platz ist, wird gefahren. Auf manchen Mopeds sitzen bis zu vier Personen, oder es ist mehr Gepäck angeschnallt, als in einen PKW passen würde.

Abflug mit einer kleinen Propellermaschine (Zum Glück lese ich erst später davon, dass alle Indonesischen Fluglinien auf der „Schwarzen Liste“ stehen). Nicht ganz dreißig Minuten dauert der Flug von Bali nach Lombok. Dort geht es mit dem Auto weiter zu einem Minihafen. Lombok macht einen ganz anderen Eindruck als Bali. Die Häuser haben keine Tempel, die Bevölkerung ist zu 90% muslimisch. Die Vegetation ist trockener.

An dieser Stelle müssen Petras Großtaten erwähnt werden. Hätte sie nicht einer italienischen Mama gleich, wortgewaltig ein Boot organisiert, würden wir sehr wahrscheinlich noch immer warten! Und etwas später gleiches mit unserem Hotelzimmer (sorry Hotelstelzenzelt).
Also Umstieg auf ein Schnellboot mit Sack und Pack. Drei 200 PS Yamha Motoren bringen das Boot fast zum fliegen. Unser Ziel ist Gili Trawangan. Die größte der drei Gili Inseln. Unser erster Eindruck: Wir sind auf einer Hippiekolonie mit Vierstern-Hotel-Charakter gelandet. Auf Gili gibt es keine Autos und kein Süßwasser. Ein Eselkarren bringt das Gepäck zum Hotel, unser Zimmer ist eine Art Zelt auf Stelzen, jedoch mit Balkon, Aircondition und einem Freiluftdusch- und Waschplatz. Aus den Rohren kommt Salzwasser. (Zähneputzen mit „Paradontax“-Zahncreme - das ist die mit Salzgeschmack - ist dagegen wie Zucker schlecken.) Von unserem „Hochbett“ führt eine schmale Leiter hinunter zum WC ins Freie. Beim Bau haben die Architekten offensichtlich nur fragile und zartgliedrige Indonesier vor Augen gehabt. Wohl genährte Europäer kommen hier schnell an die Grenzen der Physik.

Die Insel macht einen sehr relaxten Eindruck. Überall kleine Restaurants und Bars. Wir trinken hier auch die besten Capirinhas in Indonesien und das Essen ist vorzüglich, wenn man nicht gerade mexikanische Burritos bestellt.

Wir beschließen einen Schnorchelausflug zu den besten Riffpunkten aller drei Gili-Inseln zu wagen. Zwanzig Leute finden sich auf dem Boot gegen 10:30 Uhr ein und schon wenige Minuten später sind wir im Wasser. Die Strömungen sind so stark, dass wir unmöglich dagegen anschwimmen können. Innerhalb kürzester Zeit, treibt es uns mehrere hundert Meter über den Meeresboden, wie in einem Wildbach. Das Boot fährt uns hinterher und sammelt alle Schnorchler wieder ein. Alle? Eine Person ist abgängig! Voll Schrecken suchen wir die Wasseroberfläche ab. Weit und breit niemand zu sehen. Erst als wir mit dem Boot ein paar hundert Meter weitergefahren sind entdecken wir unsere abgängige Person. Offensichtlich ist der Franzose in eine besonders starke Strömung geraten. Das sollte aber nicht die letzte Schrecksekunde auf diesem Ausflug bleiben. Beim nächsten Schnorchelgang, am so genannten „Turtle-Point“, suchen wir einen abgängigen jungen Burschen für mehr als 10 Minuten, bis wir ihn im Meer endlich entdecken. Entschädigt werden wir durch die Begegnung mit drei riesigen Meeresschildkröten. Fast schon vergessen, dass unser Bootskapitän mit leerem Tank weg gefahren ist und dies ist erst auf offenem Meer nach Ausfall des Motors entdeckt hatte. Aber für 7,5 Euro war der kurze Trip vorerst richtig günstig. Oneway? Nein, wir wurden dann doch von mit Benzinkanistern ausgestatteten „Freunden“ gerettet.

Mittagessen auf Gili-Air, der kleinsten Insel. Hier ist alles ein bisschen schmuddeliger. Trotzdem entdecken wir hier ist der schönste Strand mit weißem Korallensand. Zurück vom Schnorcheln gibt es zum Abendessen natürlich frischen Fisch.

Dass wir bei der Rückfahrt von Gilli mit Koffer und Gepäck durchs Meer zum Boot waten müssen, haben wir vorher nicht bedacht. Vielleicht hätten wir uns dann andere Schuhe angezogen. Ebbe und Flut haben auch hier, wie überall in Indonesien, große Unterschiede. Leicht feucht erreichen wir unseren Flieger nach Bali zur letzten Station unserer Reise: Nusa Dua Beach.

Tag elf bis einundzwanzig: Relaxen